Zwei plus Drei macht Eins

pbiconcofsoIn meinen Jahren bei PRINT (heute Lenze von Klessing) unternahm ich viele Versuche, die Beteiligungsstruktur von der “Mutter” Heye über DDB bis zur “Muttermuttermutter” Omnicom, der weltweit zweitgrößten Werbeholding, zu erklären. Jetzt hat die “Übermutter” überraschend beschlossen, sich mit der Nummer drei, Publicis, zur globalen Nummer eins zusammenzutun. Das berichtet z. B. die “Horizont“.

Branchenbeobachter verfolgen die Megafusion mit beträchtlicher Skepsis. So weist nicht nur die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” auf “mögliche Interessenkonflikte” hin, “da die beiden Werbegruppen teils scharfe Rivalen betreuen” (z. B. Coca-Cola und Pepsico oder Apple und Samsung). Der “Spiegel” zitiert David Jones, den Chef des Konkurrenten Havas: Der Zusammenschluss werde Mitarbeiter und Kunden “destabilisieren und beunruhigen”. Zudem gehe der Deal an den Marktbedürfnissen vorbei: “Heutzutage wollen Kunden uns schneller und agiler – nicht größer, bürokratischer und komplexer.”

Aus meiner Sicht eröffnet die Verbindung fraglos auch Chancen, z. B. durch Vorteile bei Preisverhandlungen. Das erwähnt beispielsweise auch das “Handelsblatt“. Die “W&V” berichtet zudem von einer gemeinsamen Erklärung an die Mitarbeiter der beiden Holdings: Man habe hier die “historische Gelegenheit”,  einen “neuen Standard für Premium-Leistung zu etablieren”. Den Zusammenhang sehe ich derzeit eher weniger. Juliette Garside vermutet im “Guardian” ohnehin eine ganz andere Stoßrichtung: Der Beschluss sei der “todernste Versuch, ein Gegengewicht zum schwindenen Einfluss traditioneller Marketingkommunikation in einer von Google und Facebook dominierten Welt zu schaffen.”

So oder so wünsche ich vor allem meinen früheren PR-Kollegen alles Gute. Über die Zukunft der gesamten Sparte sollen laut “PR ReportKommissionen mit “Top-Leuten aus beiden Konzernen” entscheiden. Ich drücke die Daumen.