Zur Not ganz nah

dkmntdhd15jmpViel zu lange und mühsam für unsere Schnell-schnell-alles-geht-think-pink-klick-klick-Welt: Hubertus Kochs Syrien-DokumentationSüchtig nach Jihad“. Aus Sicht meines Fachblogs hier müsste ich wohl eher die handwerklichen Lehren aus diesem großartigen Stück Journalismus in den Vordergrund stellen: Wahrheit braucht ihre Zeit. Wahrhaftigkeit braucht persönliche Anteilnahme. Gefühle brauchen Nähe. Oder: Gute Kommunikation nutzt alle Sinne, ermöglicht via Bild und Ton „echtes“ Nachempfinden. In erster Linie aber hat mich der Film – emotionell wie rationell – ganz einfach gepackt. Als hätte ich zum Beispiel dieses kleine Mädchen in seinen viel zu großen Gummistiefeln neben einem Autobombenwrack in seinem jämmerlichen Flüchtlingslager vor der türkischen Grenze mit eigenen Augen erblickt. Oder den gebrochenen, alten Mann in seiner zerschossenen, „gottverlassenen“ Stadt. Diesen Menschen fehlt es an fast allem, auch an jeder Möglichkeit zur Flucht nach Deutschland. Da können einem – wie dem jungen Filmemacher – manchmal vielleicht nur noch die Tränen kommen. Gut so? Hoffen wir es. Und ja: Gespendet habe ich schon. Zumindest das.

Übrigens: Dass ich den „Film eines kleinen Jungen“ erst heute, mehr als ein Jahr nach seiner Fertigstellung, entdeckt habe, nimmt ihm nichts von seiner Aktualität. Womöglich versteht man ihn heute angesichts des Flüchtlingsdramas in der EU und nicht zuletzt in unserem wohltuend hilfsbereiten München sogar noch besser.