Zugkraftige Minderheit

atsmtepbtraArbeitgeberkommunikation und das sogenannte Employer Branding sind ein echtes Trendthema. So war die Medienresonanz erwartungsgemäß groß, als der deutsche Softwareriese SAP bekannt gab, bis 2020 insgesamt 650 Menschen mit Autismus – das entspräche rund 1 Prozent der Belegschaft – einstellen zu wollen. Doch während das “Handelsblatt” von einem “ungewöhnlichen Schritt” und einem “ehrgeizigen Ziel” spricht, sind andere Unternehmen den Walldorfern bereits voraus. So berichtete die “Frankfurter Allgemeine” schon vor über einem Jahr über das Berliner Unternehmen Auticon, das “ausschließlich Autisten als IT-Berater beschäftigt”. Das mag vielen vor allem als ein Akt der Nächstenliebe vorkommen, hat aber auch ganz handfeste ökonomische Vorteile: “Die Digitalisierung der Welt bietet Autisten die Möglichkeit, ihre Begabungen in einen Trumpf zu verwandeln, der ihre sozialen Schwächen in manchen Fällen aussticht”, so der Redakteur Philipp Alvares de Souza Soares.

Eine Reutlinger Selbsthilfegruppe listet die begehrten Stärken vieler Menschen mit Autismus auf, wie den besonderen “Sinn für Genauigkeit und präzises Arbeiten”, die “Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und durchschauen”, oder andere sogenannte Inselbegabungen, die für die IT-Branche wie gemacht erscheinen. Kein Wunder, dass bereits seit längerer Zeit ähnliche Rekrutierungspläne von anderen IT-Unternehmen bekannt sind, wie u. a. die “W&V” berichtet. Nicht nur Personaler werden das Thema interessiert verfolgen. Übrigens fragt der US-amerikanische IT-Spezialist Neil Raden via Twitter, wie SAP denn sicher sein könne, unter seinen Mitarbeitern “nicht längst 1 Prozent Autisten zu haben”. Gute Frage …