Zahlen, oder wir alle gehören der Katz

John Oliver zur JournalismuskriseEs ist die am wenigsten lustige und unterhaltsame Folge, die ich aus der Reihe je gesehen habe, und dennoch eine mit ganz wichtigem Anliegen: In der gestrigen Ausgabe von „Last Week Tonight“ mit John Oliver ging es um die existenzielle Krise des Journalismus, ohne den eine Demokratie auf Dauer nicht wirklich funktionieren kann. In Deutschland dürfte es noch ein wenig besser sein, aber auch hier ist die Medienlandschaft von dramatisch gesunkenen Einnnahmen sowie in der Folge ausgedünnten oder bereits geschlossenen Redaktionen und einem vor allem in der Fläche erschreckenden Qualitätsverlust geprägt. Katzenbilder statt investigativer Recherche, „Clickbaiting“ statt journalistischem Handwerk, und Gratisverwurstung in Facebook & Co. statt fairer Entlohnung.

Da es im Netz fast alles jederzeit gratis gibt, werden kritische Medien ihrer Existenzgrundlage beraubt. Dabei gibt es kaum eine insgesamt lohnendere Investition als die in hochwertige, unabhängige Medien. Ansonsten erwartet uns alle eine „großartige Zeit, um ein korrupter Politiker zu sein“, wie wir im Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ lesen können.

Wie ich es damit halte? Immerhin bin ich (Digital-)Abonnent zweier überregionaler Tageszeitungen, eines Lokalblattes, einer Fachzeitschrift und zweier Special-Interest-Zeitschriften. Daneben unterstütze ich über Beiträge oder Spenden ein Nachrichtenmagazin sowie vier Recherche- bzw. Nachrichtenplattformen. Meine Medienausgaben läppern sich, erst recht samt gesetzlichem Rundfunkbeitrag, aber sie sind – und davon bin ich fest überzeugt: jeden Cent wert. „Früher oder später müssen wir anfangen, für Journalismus zu bezahlen – oder wir werden es bereuen“, zitiert die „Horizont” Oliver.