Wuppen? Negativ!

wpntng15rliMit Wilhelm Schmid kritisierte einer meiner Lieblingsphilosophen bereits vor Jahren „eine Art Zwang zum Glücklichsein“ und eine „Diktatur des Positivdenkens“. Jetzt hat die deutsch-amerikanische Psychologin Gabriele Oettingen im Gespräch mit der „Süddeutschen“ Ergebnisse ihre Forschungsarbeit vorgestellt und kommt zu einem klaren Schluss: „Positives Denken hindert uns daran, Ziele zu erreichen.“ Wunschträume seien zwar in der Lage, die Laune zu verbessern oder beim Entspannen zu helfen, stünden aber im Weg, „wenn es darum geht, tatsächlich eine Aufgabe anzupacken, Ziele zu erreichen“. Oettingen rät im Rahmen ihrer „Psychologie des Gelingens“ stattdessen zum „WOOP“-Modell“, auch als „mentales Kontrastieren“ bekannt: Neben dem Wunsch („wish“) und dem erhofften Ergebnis („outcome“) lenkt man den Blick dabei auch auf die Hindernisse („obstacles“) und entwickelt einen konkreten Plan, diese zu überwinden oder zu umgehen. Hürden werden also nicht ausgeblendet, sondern bewusst herausgearbeitet und angegangen. Auch in meiner Arbeit als systemischer Coach hat sich dieses Vorgehen wiederholt bewährt. Immanuel Kant lag wohl richtig: „Alle Stärke wird nur durch Hindernisse erkannt, die sie überwältigen kann.“