Begrenzte Wissenschaft

Gekaufte Studien, Plagiatsaffären, Gefälligkeitsgutachten, erschwindelte Doktorentitel – unsere Vorstellung von einer freien, nur dem Erkenntnisdrang verpflichteten Wissenschaft musste zuletzt mehrfach Federn lassen. Dazu passt auch das reichlich ramponierte Bild, das der Wissenschaftsjournalismus gegenwärtig abgibt: Stellenstreichungen, offenkundige Mauscheleien zwischen Blattmachern und Werbekunden und nicht zuletzt die zunehmende Dominanz der Kollegen aus der Wissenschafts-PR. So beklagt Beate Kittl, Vorstandsmitglied des Schweizer Klubs für Wissenschaftsjournalisten, in ihrem “Plädoyer für einen ‘echten’ Wissenschaftsjournalismus” den schleichenden Übergang zu einer “Direct-to-Consumer-Wissensvermittlung”.

Wissenschaftliche Erkenntnisse lassen sich nur aus der kritischen Distanz heraus und mit viel Sachkenntnis angemessen einordnen und vermitteln – und auch mich beschleichen da so meine Zweifel. Schon vor gut drei Jahren gab sich Robert Lee Hotz vom “Wall Street Journal” überzeugt, dass “die unabhängige Wissenschaftsberichterstattung vom Aussterben bedroht” sei. Und der Biochemiker Larry Moran meinte: “Das meiste, was als Wissenschaftsjournalismus durchgeht, ist so schlecht, dass wir ohne besser dran sind.” Gar so negativ schätze ich die Lage nicht ein, aber Grund, besorgt zu sein, haben wir wohl allemal.