Wirkung ohne Plan

herzen mut muenchen„Die sicherste Methode, die Zukunft vorherzusagen, ist, sie zu gestalten“, so ein wunderbares Zitat des österreichisch-amerikanischen Ökonomen und Managementvordenker Peter Drucker. Dabei besteht ein guter Teil unternehmerischen Handelns eben genau in dem Versuch, Künftiges möglichst exakt zu erahnen, sich gegen Risiken zu wappnen und Chancen zu nutzen. Auf der gestrigen Veranstaltung „Kreativ im Ungewissen“ in München stellte der Grazer Unternehmensberater Michael Faschingbauer das wissenschaftlich inzwischen gut untermauerte Konzept der sogenannten Effectuation vor: Eine „eigenständige Entscheidungslogik“, wenn die gewohnte kausale Logik nicht greift und „belastbare Prognosen“ aufgrund hoher Planungsunsicherheit unmöglich sind. Anders gesagt: Eine Methode, um „die nicht vorhersehbare Zukunft aktiv zu gestalten und eigene Vorhaben unternehmerisch in die Tat umzusetzen“. Die Effectuation konzentriert sich auf „all das, was wir jetzt durch unser Handeln gestalten können, wenn die Basis für Vorhersage und Planung fehlt“, tastet sich beherzt Schritt für Schritt voran und beruht auf vier Grundprinzipien:

  1. Vorhandene Mittel und Ressourcen nutzen (Prinzip der Mittelorientierung statt Zielorientierung, „Bird in Hand“). Was steht mir im Moment zur Verfügung? Wen kenne ich? Was kann ich?
  2. Risiken eingehen und Gelegenheiten nach dem individuell hinnehmbaren Ressourceneinsatz wahrnehmen (Prinzip des leistbaren Verlusts statt des erwarteten Ertrags, „Affordable Loss“) – man setzt nur aufs Spiel, was man zu verlieren bereit ist.
  3. Zufälle nicht auszuschließen und zu vermeiden versuchen, sondern das Unerwartete erwarten und dabei Umstände bzw. Zufälle als Hebel für Innovation nutzen (Prinzip der Umstände und Zufälle, Zufall als Partner). Das „Lemonade“-Motto: Wenn dir das Leben Zitronen gibt, mache Limonade daraus …
  4. Sich „ergebende“ Kooperationen eingehen, mit „sich selbst selektierenden Partnern“ zusammenarbeiten (Prinzip der Vereinbarungen und Partnerschaften, Partnerschaften statt Konkurrenz, „Crazy Quilt“), die bereit sind, mit eigenen Mittel zur „Kreation der Gelegenheit“ beizutragen, und diese auch an einem noch unsicheren Vorhaben beteiligen.

In der Konsequenz, so Faschingbauer, fangen Manager mutig „einfach mal an, etwas zu machen, schauen, was rauskommt, halten das Risiko gering und verbessern ihre Maßnahmen“. Die indisch-amerikanische Kognitionswissenschaftlerin Saras Sarasvathy, die Entdeckerin der Effectuation, sieht in der Methode nicht weniger als „eine Werkzeugkiste für erfolgreiches Unternehmertum“ schlechthin. Wahre Unternehmer nämlich, so las man zu ihren Arbeiten bereits 2010 im „Handelsblatt“, „scheren sich nicht um systematische Marktforschung und Absatzprognosen, und strukturierte Businesspläne sind ihnen ein Gräuel“, sie „agieren aus dem Bauch heraus, sie tänzeln sich an die Probleme heran“. Ein letztlich fast revolutionärer Denk- und Handlungsansatz bittet zum Tanz!