Wider das Zündeln

GegenwindEgal ob Daesh-Fanatiker, Pegida-Hetzer oder manche christliche Fundamentalisten – Unvernunft, Hass und Ignoranz oder gar dreiste Lüge gehen gerade im Internet als sogenannter Hatespeech eine oft unheilvolle Melange ein. Der Social-Media-Gigant Facebook trommelt vor diesem Hintergrund für das „Counterspeech“-Konzept: „Den verbalen Entgleisungen, den menschenverachtenden Kommentaren, den Aufrufen zu Gewalt […] müssten noch viel mehr Nutzer etwas entgegensetzen“, schreibt die „Zeit“. „Hauptsache Gegenwind, Hauptsache Sichtbarkeit, Hauptsache den Hass nicht unkommentiert stehen lassen.“ Rede und Gegenrede also. Das gleiche Prinzip gilt auch für staatlich gelenkte Propaganda wie aus Russland oder der Türkei.

Eine der Koryphäen zu Dialektik und Argumentationslogik hierzulande ist der Philosoph Daniel-Pascal Zorn, mit dem auch „Krautreporterin“ Theresia Enzensberger sprach. Es gehe weniger darum, den Scharfmacher zu überzeugen – „manchmal reiche es schon, den absoluten Wahrheitsanspruch zu zerbrechen“ und die Vernunft sich selbst verteidigen zu lassen. Dazu müsse man – wieder und wieder – Fakten und Fehlschlussanalysen dagegensetzen, auf Widersprüchlichkeiten hinweisen und alternative Perspektiven aufzeigen.

Ähnlich klingt der Rat der US-amerikanischen Wissenschaftlerin Susan Benesch, den die „Tagesschau“ aufgreift: „Jede noch so inhaltsleere Argumentation, jeden noch so stumpfen Gewaltaufruf“ solle man „mit ruhig vorgetragener Rationalität, stichhaltigen Argumenten und einem unerschütterlichen Standpunkt beantworten. Oft gerate der Urheber dann in Erklärungsnot, seine Postings verlieren an Strahlkraft.“ Wie so oft in der politischen Kommuniaktion ein mühsames Unterfangen, aber unsere freie Gesellschaft ist es wert.