VRdS Bayern gut bei Stimme

Klang das gelangweilt oder eher arrogant? Und wirkte das jetzt dynamisch oder vielleicht doch hektisch? Leicht zu deuten ist sie nicht immer, aber in Kommunikation und Rhetorik stets von immenser Bedeutung: die menschliche Stimme. „Wie wir auf andere wirken und wie andere auf uns reagieren, hängt insbesondere von unserer Stimme ab“, heißt es in dem schönen Beitrag „Der Ton macht die Person“ in der „Wirtschaftswoche” vom Sommer 2008. Das gilt für Reden und Präsentationen genauso wie für Film- und Tonaufnahmen, Telefonate oder das persönliche Gespräch. Eine ausgewiesene Expertin in Sachen Stimme sowie Sprech- und Stimmtraining hatten wir beim gestrigen Quartalstreffen der Regionalgruppe Bayern des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) in München zu Gast: Die Akademische Sprachtherapeutin Dr. Iris Eicher, die als Trainerin für mündliche Kommunikation auch Lehrbeauftragte für Stimme und Sprechen der Ludwig-Maximilians-Universität ist und vor allem den bekannten Seminar-, Training- und Coachinganbieter SPC (Sprechen – Person – Coaching) leitet.

Frau Dr. Eicher stellte uns nicht nur sich und ihre Arbeit vom Umgang mit Lampenfieber bis zur Wahrnehmungsschulung vor, sondern ließ uns anhand von Hörbeispielen analysieren, wie unterschiedlich identischer Text je nach Vortrag und Stimme beim Zuhörer ankommt. Dabei untersuchten wir neben dem Klang der Stimme auch Atmung, Sprechgeschwindigkeit und Verständlichkeit. Als Redenschreiber helfen wir unseren Kunden, die richtigen Worte zu finden und in einer Rede oder Präsentation überzeugend und dramaturgisch klug zu verbauen. In manchen Fällen enthält unser Textentwurf auch Hinweise zum eigentlichen Vortrag, zum Beispiel zu Betonungen oder Sprechpausen. Was bei uns eher Nebensache und Zusatzbaustein ist, spielt bei den SPC-Trainern und -Coaches die Hauptrolle. Das kann recht kurzfristig im Vorfeld eines besonders wichtigen Auftritts geschehen oder unabhängig von einem bestimmten Termin im Rahmen eines meist mehrstufigen Trainings mit Coachingelementen, in der Gruppe oder individuell.

Für uns VRdS-Mitglieder war der Abend unter dem Motto „Ansprechend sprechen“ ebenso unterhaltsam wie erkenntnisreich. Aus dem geplanten Blitzvortrag mit Mini-Praxisteil wurde ein richtiggehender Kurz-Workshop. Besonders interessant fand ich die Ausführungen zur Beziehung zwischen Sprecher und Zuhörer sowie die sogenannte Innere Analyse zu „psychischen Faktoren, die zu Inkongruenz im Einsatz der paraverbalen und nonverbalen Faktoren führen“. Schön auch Frau Dr. Eichers Ausführungen und Spontaneinlagen zu Modeerscheinungen und Promi-Trends wie der „brrrrrutzelnden Frauenstimme” (Vocal Fry).

„Eine angenehme Stimme ist sehr oft mit sonst übrigens guten Eigenschaften des Leibes und der Seele verbunden“, so der deutsche Physiker Georg Christoph Lichtenberg im 18. Jahrhundert. Gut möglich, vor allem aber hat eine „gute“ Stimme wohl mit Reflexion, Sensibilisierung und viel, viel Übung zu tun. Klingt stimmig!