Vertrackte Zeiten

sltvrmssng14hjbEinen interessanten Beitrag zur Diskussion um den verstärkten Trend zur permanenten Selbstvermessung und Selbstoptimierung bringt die “Süddeutsche Zeitung” mit Jan Willmroths Beitrag “Regieraum des Lebens“. Zunächst gehe es bei “Self Tracking” und “Quantified Self” um eine gesündere Lebensführung und ein besseres Miteinander, aber “die Grenze zwischen Fremd- und Selbstkontrolle verschwimmt zusehends, im Privatleben wie am Arbeitsplatz”. Auch Juli Zeh kommt zu Wort – die profilierte Kritikerin warnt nicht nur vor möglichem Missbrauch, sondern sieht in “Selbstvermessung das Gegenteil von Selbstvertrauen”. Der Psychologe und “Burnout”-Experte Markus Väth geht in seinem Blog noch weiter und rät: “Seien wir Mensch. Hören wir auf, uns selbst zu optimieren und bleiben wir ruhig dick, schüchtern, x-beinig, was auch immer. Denn die Perfektion als Höhepunkt der (Selbst-)Optimierung lächelt uns von ihrem hohen, kalten Thron an. Dahinter kommt nichts mehr. Nur das kalte, leere All …” Über die Ausdrucksweise kann man streiten, aber ein vermeintlich makelloses Leben ohne die Freiheit zu Irrtum und Abweichung von der Norm wäre in der Tat unmenschlich.