Unerhörtes Personal

arbeiterIn einem Gastkommentar im „Handelsblatt“ beschrieb der Hamburger Führungsexperte Torsten Schumacher vor rund anderthalb Monaten Mitarbeiterbefragungen als zumeist mehr oder weniger unnützen „Wohlfühl-Klimbim“, auf den man besser verzichte. In der Septemberausgabe des „prmagazins“ kontert Alexander Wilke, oberster ThyssenKrupp-Kommunikator, mit einer kurzen Replik unter dem Titel „Eine(r) muss es ihnen sagen!“. Tenor: Ein Unternehmen brauche Feedback und eine Mitarbeiterbefragung sei schwer zu ersetzen, wenn es darum gehe, Führungskräften zu „sagen, was gut läuft und was nicht“. Das Instrument bringe „Gespräche, wo vorher nicht geredet wurde“ und lasse „Meinungen zu, wo vorher keine geäußert wurden“.

Vermutlich haben mal wieder irgendwie beide recht. Aus meiner beruflichen Praxis kenne ich ebenfalls einige unternehmensinterne Umfragen, die dilettantisch gemacht waren, schlecht durchgeführt wurden, nur unzureichend ausgewertet wurden und/oder aus denen keine bzw. keine zielführenden Konsequenzen gezogen wurden. Solche Befragungen sind mit hoher Wahrscheinlichkeit rausgeschmissenes Geld oder wirken sich sogar negativ aus, zum Beispiel auf die Mitarbeiterloyalität. Andererseits hat es in vielen anderen Fällen überaus wertvolle Erkenntnisse gegeben und wurden Mutmaßungen zu den unterschiedlichsten Fragestellungen endlich verifiziert. Gerade im Paket mit flankierenden Maßnahmen haben Befragungen sich häufig auch belegbar positiv auf Zufriedenheit und Motivation ausgewirkt sowie wichtige Veränderungsprozesse eingeleitet oder erheblich beschleunigt. Es wäre töricht, diese Chance in der Internen Kommunikation ungenutzt zu lassen.

Bildhinweis: Ausschnitt aus Otto Griebels „Die Internationale“.