Teilnehmen, aber so richtig

vortragzuhoeren16dKürzlich machte ich Kollegen gegenüber meinem Ärger über einen sehr schwachen Vortrag mit haufenweise Selbstlob und dreister Verkaufe Luft. Was ich nicht verhehlen will: Als Teilnehmer an Seminaren, Workshops, Vorträgen oder Konferenzen ist man mehr oder weniger stark auch selbst für die Qualität und vor allem das Ergebnis verantwortlich. Das beginnt mit der Auswahl: Welches Thema ist für mich das richtige? Und welche Veranstaltungsform eignet sich am besten? Aber auch ganz banale Aspekte wie ausreichend Zeit und eine unproblematische, gut organisierte Anreise. Wer gedanklich bei etwas ganz anderem ist oder von Anrufen, E-Mails und Smartphone-Nachrichten gestört wird, kann nur bedingt vom Veranstaltungsgeschehen profitieren und stört im Zweifel auch die anderen Teilnehmer. Selbst das altbekannte Mitschreiben auf Papier oder in Digital kann helfen, aber auch ablenken. Die aus meiner Sicht wichtigsten Empfehlungen für Teilnehmer – Stichwort „Lernen lernen“ – habe ich hier im Stile einer Checkliste zusammengestellt:

A) Im Vorfeld

  • Veranstaltung bewusst je nach Ziel/en, Interessen und Bedürfnissen auswählen (insbesondere Thema, Veranstaltungsform, Ort und Zeit sowie Anreise)
  • Ausreichend Zeit nehmen, für Freiraum sorgen und Störungen möglichst schon im Vorfeld abstellen/minimieren (auch: Hinweis an Kollegen und Kunden, Abwesenheitsnotiz einrichten)
  • Hinweise des Veranstalters beachten
  • Ggf. Unterlagen oder sonstige Materialien/Ausrüstungsgegenstände vorbereiten/mitbringen (z. B. Notebook, Ladekabel, Schreibunterlagen), Visitenkarten nicht vergessen
  • Gut vorbereiten, zum Beispiel besonders interessante Themen(-aspekte), Fragen und „Heiße Eisen” aufschreiben (auch: Was will ich mitnehmen? Was liegt mir besonders am Herzen?)
  • Rechtzeitig und möglichst stressfrei anreisen
  • Angemessen gekleidet sein (im Zweifel lieber eine Stufe besser)
  • Ausgeschlafen sein, ausreichend gegessen und getrunken haben (vollen Magen andererseits vermeiden).
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B) In der Veranstaltung

  • Pünktlich erscheinen
  • Smartphone auf „lautlos“ stellen, am besten ausschalten
  • Offen und flexibel sein, möglichst keine starre Erwartungshaltung
  • Aufmerksam sein, konzentriert zuhören, mitmachen (keine Anrufe, E-Mails oder auch WhatsApp-Nachrichten nebenher!)
  • Mitdenken, schlussfolgern und das Gehörte mit eigenem Vorwissen verknüpfen
  • In Pausen und im Umfeld offen für Kontakte und Gespräche sein – von anderen Teilnehmern kann man häufig besonders viel lernen
  • Für sich selbst Zusammenhänge entwickeln (z. B. zum eigenen Berufsalltag oder zu
    eigenen Erlebnissen), in Gedanken eigene Beispiele, Anwendungen, Situationen und Anknüpfungspunkte suchen
  • Das Gehörte kritisch aufnehmen, also hinterfragen, und auf sich wirken lassen
    (Wie klingt das für mich? Wirkt das plausibel?)
  • Interessante und wichtige Bemerkungen aufschreiben (möglichst nur Stichpunkte, oder Visualisierung à la Sketchnotes), bei Skripten/Handreichungen die wichtigsten Stellen anstreichen und eigene Gedanken notieren
  • Für sich selbst (Zwischen-)Fazit und Zusammenfassung/en formulieren.
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C ) Nach der Veranstaltung

  • Jede Veranstaltung nachbereiten!
  • Unterlagen nutzen statt nur abzulegen
  • Unterlagen/Notizen in Ruhe durchsehen, eventuell nacharbeiten (Notizen mit eigenen Worten wiedergeben)
  • Weitere Schritte/Ziele für einen selbst entwickeln, ggf. neu geknüpfte Kontakte pflegen (auch: Soziale Medien, Netzwerke), 72-Stunden-Regel beachten
  • Erlangtes Wissen und erlernte Fähigkeiten nutzen – und weitergeben!
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Ein Stück weit haben wir es immer selbst in der Hand, welchen Gewinn wir aus einem Vortrag oder einer Konferenz auf lange Sicht ziehen. Und eins ist klar: Wenn wir nur unsere Zeit absitzen, schaden wir uns selbst am meisten.