Stolz und Vorurteil

jcbdgrbm15edcJa was denn nun? War er’s oder war er’s nicht. Der Varoufakis oder der Böhmermann? Oder doch Jauchs Redaktion? Ein ganz wunderbares Verwirrspiel um einen vorgeblich ausgestreckten Mittelfinger beschäftigt die Republik. Da wird über gekränkten Nationalstolz und womöglich ehrabschneiderisches Verhalten diskutiert – wo es doch um die Rettung einer ganzen Wirtschaftsnation und die Stabilisierung einer Währungszone mit mehr als 335 Millionen Menschen geht. In dem grellen Drunter-und-drüber kann man als Beobachter viel über die Mechanismen unserer Medien- und Kommunikationsgesellschaft lernen – Böhmermann offenbare mit seinem “beispiellosen Satire-Coup tiefere Wahrheiten über das gern erregte Deutschland”, konstatiert Stefan Plöchinger in der “Süddeutschen Zeitung“.  Der “Tagesspiegel” lenkt den Blick auf die “Strategie von Medienleuten” und “die Reflexe des Publikums in der Talkshow-Republik Deutschland”. In der “Zeit” sieht David Hugendick gar “die Hysterie um das Varoufakis-Video in ohrenbetäubender Leere untergehen”. Auch die Technikfreunde von uns gehen nicht leer aus: Sie lässt uns das “Neo Magazin Royale” am heimischen Fernsehbildschirm den Bildbearbeitungskünstlern in der vermeintlichen Fälscherwerkstatt quasi über die Schulter sehen. Am Ende lernt vielleicht sogar unser Land etwas. Arno Makowsky sieht da allerdings schwarz: Die “Medienposse” sei zwar ein “Lehrstück über Eitelkeit und Verblendung“, zur heilsamen Katharsis werde es aber wohl eher nicht kommen: “Die Show wird weitergehen.”