Ständig im Griff

SmartphoneErkenntnisse über die Funktionsweise Sozialer Medien haben oft zwei Seiten – für die Macher in Werbung und PR sind sie in erster Linie nützlich, den Nutzern aber dienen sie eher zur Mahnung. So ist das auch mit Hakan Tanriverdis Beitrag in der  „Süddeutschen Zeitung“ zu den Thesen des Design-Ethikers Tristan Harris rund um Facebook, das „Netzwerk wie ein Glücksspielautomat“. Generell gehe es den Köpfen hinter den umstrittenen Online-Plattformen und Apps nicht darum, den User-Alltag oder gar die Welt zu verbessern, sondern nur darum, Aufmerksamkeit zu maximieren und Nutzer „wie Süchtige in einer Endlosschleife“ zu halten und an den Bildschirm zu fesseln. Höhere Nutzungszeiten gleich höhere Werbeeinnahmen! Kein Wunder, dass sich ein Smartphone-Besitzer Tag für Tag durchschnittlich 150-mal dem Gerät zuwendet. Durch das Lenken des Verhaltens, aber zugleich auch der Gedanken und Gefühle der Nutzer habe „eine Handvoll Designer irrsinnig viel Einfluss erhalten“, so Harris. Bereits vor vier Jahren kam ein Artikel in der „Frankfurter Allgemeinen” zu dem Schluss, Facebook habe „wie kein Unternehmen zuvor alle umprogrammiert“ und „mal eben alles verändert – auch diejenigen, die sich gar nicht verändern wollen“. Mit ein bisschen gutem Willen, in Zukunft ein bisschen weniger zu “netzeln”, ist dem wohl nicht beizukommen.