Sprachliche Hürden

In meiner Studienzeit malten wir uns aus, wie es wäre, wenn sich die Redewendung “Mach’ den Hingsen” als Formel für spektakuläres Versagen durchsetzen und im Laufe der Jahrzehnte völlig von ihrem Ursprung entkoppeln würde. Vermutlich würde kaum einer mehr wissen, dass Deutschlands Zehnkampfhoffnung Jürgen Hingsen 1988 wegen wiederholter Fehlstarts bei den Olympischen Spielen disqualifiziert wurde. Seit bestimmt zwanzig Jahren bin ich der Redewendung nun allerdings schon nicht mehr begegnet. Derzeit macht ein anderes Wort von sich reden, das rasend schnell scheinbar fest im deutschen Sprachraum verankert wurde: der Shitstorm. Vom “Stern” bis zur “W&V” greifen Journalisten Recherchen der Nachrichtenagentur dpa zu den Ursprüngen des Begriffes auf, der für einen Sturm der oft hasserfüllten Entrüstung in den Neuen Medien steht und inzwischen in aller Munde zu sein scheint. Ein echtes “Netz-Phänomen” eben, wie es auch in der “Cosmopolitan” heißt. Wer mehr über den Wandel der Sprache und die Entstehung neuer Worte erfahren will, kann in einem Podcast von Wissen.de nachhören oder -lesen. Fazit: Auch in unserer Sprache ist “alles im Fluss“.