Sport hebt die Moral

Moral ist das Opium des Sports”, titelte Sebastian Moll einst im “Spiegel” im Zusammenhang mit Doping. Diese Sicht erfährt jetzt von unerwarteter Seite Bestätigung: Die Münchner Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation hat kürzlich die Ergebnisse einer großen Journalismusstudiezum Vorkommen der Moral in den Medien vorgestellt. Und die lassen aufhorchen. So beschäftigten sich die Medien durchaus mit moralischen Aspekten, allerdings “nicht etwa im Politik- oder im Wirtschaftsressort, sondern vor allem im Sportteil und auf den Klatschseiten”. Besonders bedenklich: Häufig werde dabei die Moral lediglich “missbraucht, um künstlich Problemfelder zu konstruieren” oder “überhaupt erst einen Berichterstattungsanlass künstlich zu erzeugen”. Zudem würden selbst in sogenannten Qualitätsmedien “schwierige Begründungszusammenhänge oder abweichende moralische Standpunkte praktisch nie erörtert”. Fazit: Mit der vielzitierten “Moral von der Geschicht” ist es in unseren Medien offenbar nicht weit her.