Sozial (v)erklärt

solstrk14kjbvKommunikation ist immer auch ein sozialer Akt. Sie ist geprägt vom sozialen Umfeld und beeinflusst dieses wiederum. Nicht umsonst arbeiten professionelle Werbung und PR mit Erkenntnissen, Theorien und vor allem Unmengen an statistischen Daten aus der Soziologie, von A wie Alterspyramide über M wie Meinungsforschung bis Z wie Zielgruppentypisierung. Ausgesprochen fruchtbar war für mich in diesem Zusammenhang die Lektüre des Heftes “Oben” vom April dieses Jahres aus der Reihe “Aus Politik und Zeitgeschichte” – alles andere als leichte Kost, aber voller Impulse und bei der Bundeszentrale für politische Bildung auch noch kostenlos zu beziehen.

In “Oben” geht es in den insgesamt acht Autoren ganz fokussiert um gesellschaftliche Ungleichheit und den Elitenbegriff. Die Betrachtungen decken das Spektrum vom Adel über Prominente bis zur Welt der Hochfinanz ziemlich gut ab. Dabei können man mit Fug und Recht von einer erstaunlichen “Parallelgesellschaft” aus Reichen und Mächtigen sprechen. “Die Gewöhnung an Macht hat zur Konsequenz”, so Michael Hartmann, in Darmstadt Professor für Elite- und Organisationssoziologie, “dass man für sich oft andere Regeln reklamiert als die, die für den Rest der Bevölkerung gültig sind”. An anderer Stelle bin ich erstmals dem Postulat nach sogenannter Sphärengerechtigkeit begegnet. Es besagt, verkürzt ausgedrückt, dass gesellschaftliche Unterschiede unvermeidbar sind, aber Privilegien in der einen Sphäre (z. B. Vermögen, Bildung, politischer Einfluss etc.) nicht mit einer Bevorteilung in anderen Bereichen gekoppelt sein dürfen. Nur dann kann man sich mit John F. Kennedy sagen: “Das Leben ist ungerecht, aber nicht immer zu deinen Ungunsten.”