Selbstverliebt gefangen

prskms14uzfcDer (tiefe) Fall Hoeneß bewegt die Republik. Viele Beobachter erwarten mittelfristig eine Zunahme der Steuergerechtigkeit in unserer Gesellschaft. Andere Gesichtspunkte des spektakulären Gerichtsverfahrens bieten ebenfalls  jede Menge Stoff für tiefschürfende Überlegungen. So ist die Affäre überaus eng mit unserer Medienlandschaft verknüpft. Der “Stern” hatte die Angelegenheit Anfang 2013 mit seinen Recherchen überhaupt ins Rollen gebracht. Bis heute ist der Steuerbetrüger Hoeneß ein Dauerthema in deutschen On- und Offline-Medien. Das wird auch noch eine ganze Weile so weitergehen. Zudem lernen die Mediennutzer mit dem “Pressekompass”  ein neues, internetgestütztes Werkzeug für die Analyse der Medienresonanz kennen.

Als Coach und an Psychologie sowie praktischer Lebenskunst interessierter Mensch fasziniert mich besonders auch der Blick in Hoeneß’ Psyche. Hier fand ich einen Beitrag im “Spiegel” auf Grundlage des Buchs “Uli Hoeneß – Nachspiel” von Peter Bizer besonders lesenswert. Wie bei vergleichsweise vielen Spitzenmanagern und Mächtigen sieht die Autorin Sara Peschke bei der gestürzten FC-Bayern-Legende einen großen Anteil Narzissmus am Werk. Die Maßlosigkeit habe Hoeneß “unersättlich werden lassen – und erfolgreich”. Die jetzt verhängte Gefängnissstrafe aber ist wohl ebenfalls auf die übersteigerte Selbstliebe zurückzuführen. Hochmut kommt tatsächlich häufig vor dem Fall.