Schneller fliegen

FreigestelltNeben der (w)irren Staatsaffäre Böhmermann füllt gerade ein weiteres Medienthema die Kommentarspalten: die „vorläufige Freistellung“ oder Entlassung des erst Anfang des Jahres gestarteten PR-Chefs der Berliner Flughäfen nach Bekanntwerden seines „Klartext-Interviews“ mit dem „PR Magazin“. Der gestrige „Tagesspiegel“ nennt das Interview zum “Noch-immer-nicht-Flughafen” Berlin Brandenburg zwar „ehrlich“ und „offen“, aber auch „instinktlos“ und „politisch unklug“. Laut „Handelsblatt“ handelte Abbou hier „tollkühn oder gar berechnend“ und hat schlicht „seinen Chef in die Pfanne gehauen“. Nach allem, was ich aus Medien und Blogs weiß, tendiere ich auch dazu, die Aussagen des ehemaligen Sprechers der Berliner Justiz- und Finanzverwaltung eher als „Abwatschen“ denn als wohlverstandene offene Kritik einzuordnen, und das würde ich als Arbeitgeber oder Kunde ebenfalls nicht hinnehmen. Noch am Montagmorgen erschien übrigens ein rundum selbstbewusstes Portrait des Kommunikationsprofis in der „Badischen Zeitung“ unter der nun wunderbar zweideutigen Überschrift „Schöner scheitern mit Daniel Abbou“. Er möge schwierige Aufgaben, sagt Abbou darin. Na, das passt ja mal wieder.

Der „Spiegel“ hat die Causa Abbou zum Anlass zu einem schönen kleinen Klickstück zu einigen der berühmtesten „Pressesprecher-Rausschmissen“ der jüngeren Vergangenheit von Olaf Glaeseker über Michael Ramstetter bis Harald Stenger. In einem gekürzt in „Politik & Kommunikation“ erschienenen Plädoyer meinte Michael Schroeren, ein guter Pressesprecher würde „an der richtigen Stelle sprechen und an der richtigen Stelle schweigen“ und sich bei all dem nicht zu wichtig nehmen. Gerade bei Daniel Abbou bin ich ziemlich sicher, dass er seinen Sturz verkraften und nach einiger Zeit auch wieder genau diese Rolle spielen wird – für vorschnelles Aufgeben ist er nicht bekannt.