Schlaue Panzereule im Kuschelmodus zeigt Zähne

Gernot Grickschs Roman „Königskinder“ kenne ich nur dem Namen nach, und er soll in diesem Beitrag auch ansonsten keine Rolle spielen – eine Szene aber will ich herausgreifen: „Wenn ich sauer bin, werde ich zum Tier“, warnt darin ein gewisser Mark einen gewissen Hassan. Und dessen grinsend vorgetragene Erwiderung will ich aufgreifen: Was für ein Tier dieser Mark denn dann werde – „ein Hamster“?

Nun, einen Hamster hat TKI zwar nicht im Angebot, dafür aber fünf andere Tierarten, und um Konflikte geht es auch. TKI steht für das bis heute sehr populäre „Thomas-Kilman Conflict Mode Instrument“ und wurde erstmals 1974 von Kenneth W. Thomas und Ralph H. Kilmann als Modell zur Bestimmung individuellen Verhaltens in Konfliktsituationen und Hilfestellung zur Konfliktlösung vorgestellt. „Dein Konfliktverhalten ergibt sich sowohl aus deinen persönlichen Prädispositionen als auch aus den Anforderungen der Situation, in der du dich befindest“, so Thomas und Kilmann. Das TKI unterscheidet dabei zwischen fünf unterschiedlichen Konfliktstilen oder -typen (oft auch Methoden oder Modi genannt):

  • „Avoiding“ (konfliktvermeidend – Rückzug, die Flucht ergreifen, auf Tauchstation gehen, Auseinandersetzung/Klärung (nur) verschieben, weder die eigenen Anliegen verfolgen, noch die des anderen), symbolisiert durch die Schildkröte
  • „Accommodating“ (entgegenkommend/nachgebend – Beschwichtigung, Verzicht, sich selbst zurücknehmen, eigene Belange vernachlässigen, sich anpassen, sich ggf. aufopfern), symbolisiert durch den Teddybären
  • „Compromising“ (kompromisssuchend – sich in der Mitte treffen, Fifty-Fifty, Interessen ausgleichen, rasch eine sinnvolle und für beide Seiten akzeptable Lösung finden, Verhandlungsspielraum), symbolisiert durch den Fuchs
  • „Competing“ (kämpferisch – Durchsetzung, Zwang, eigene Interessen auf Kosten des anderen durchsetzen, in den Wettbewerb gehen, Zähne zeigen, Macht ausüben), symbolisiert durch den Hai
  • „Collaborating“ (kollaborativ – gemeinsam den besten Weg finden und Probleme (kreativ) lösen, den anderen verstehen, von ihm lernen, hin zur wahren Win-Win-Lösung, die den zugrunde liegenden Bedürfnissen beider Seiten gerecht wird), symbolisiert durch die Eule.

Prinzipiell kann jeder Mensch alle fünf Konfliktstile mit ihren Vor- und Nachteilen nutzen, allerdings tendieren wir aufgrund unseres Temperaments oder wegen früher gemachter Erfahrungen dazu, einzelne Stile oder sogar nur einen bevorzugt anzuwenden (die Münchner Coaching-Kollegin Christiane Heinloth bietet auf ihrer Website einen deutschsprachigen Fragebogen zur Selbstanalyse zum Herunterladen an). Theodor Fontane zum Beispiel klang zuweilen nach Kuscheltier: „In allen Konfliktsfällen das Recht des dir Gegenüberstehenden verdoppeln, das deine halbieren!“, schrieb er. Der persische Gelehrte Rumi hielt es offenbar mit Füchsen und vor allem Eulen: „Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns“, so sein Appell. Marie von Ebner-Eschenbach wiederum warnte insbesondere vor Schildkröten: „Nicht jene, die streiten sind zu fürchten, sondern jene, die ausweichen.“ Typischerweise gelten die Konfliktvorlieben übrigens auch für die Bewältigung von Krisen, die in der Regel ja nur verschärfte, zugespitzte und meist komplexe Konflikte sind.

Und wenn ich mein Lieblingstier erst einmal herausgefunden habe? Dann bitte unbedingt auch mal die anderen Stile erkunden – Vielfalt ist Trumpf! Alle Stile haben ihre Stärken und Schwächen. Die Eule entspricht zwar unserem gesellschaftlichen Ideal, aber auch sie kommt nicht in jeder Situation und mit jedem Konfliktpartner mit vertretbarem (zeitlichen) Aufwand ans Ziel. Oder ist schlicht nicht angemessen – zum Beispiel mit aggressiven Verkäufern oder Kindern, die in Oma Hedwigs Porzellan ein formidables Flugobjekt sehen.