Die PR der “Schlafwandler”

Zeitung14oijhbRund um den 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs 1914 war viel zu erfahren über jene Epoche. Ich habe unter anderem Christopher Clarks oft und kontrovers diskutierte “Schlafwandler” gelesen. Dabei habe ich nicht nur viel über die historischen Geschehnisse gelernt, sondern auch einen wertvollen Einblick in die damalige politische Kommunikation – neudeutsch Public Affairs – erhalten. So fragt Clark, ob womöglich “das eigentliche Machtzentrum, das damals die Außenpolitik gestaltete, jenseits der Kanzleien und Ministerien in der Welt der Lobbygruppen und politischen Presse” lag. Insgesamt kommt er zu einem anderen Schluss, aber “Monarchen, Minister und hohe Staatsbeamte hatten […] durchaus allen Grund, die Presse ernst zu nehmen”.

Das umfangreiche Werk  berichtet von Manipulationen sowie “lancierten Leitartikeln” und liefert dabei viele Belege für “schnelllebige” Massenmedien, die kurzfristig Wirbel verursachen konnten, der aber meist rasch wieder abgeklungen sei. “Die öffentliche Meinung war hektisch und neigte zur Panik“, stellt der australische-britische Historiker fest. Das darf einen gerne an unsere heute oft beklagte “Erregungs- und Skandalisierungskultur” erinnern. Die Zeiten ändern sich also nicht in jeder Hinsicht.