Reich begehrt

gldhrz14uzhgcDie Botschaft ist ein Machwerk des Empfängers, lernen wir landauf, landab in Kommunikationsseminaren. Wie weit wir Menschen bei der Interpretation empfangener Signale manchmal gehen, verdeutlicht eine schöne Szene, die ich in einem Restaurant miterleben durfte: “Sehe ich eigentlich reich aus?”, fragt eine attraktive Endvierzigerin in die Runde. Was die Frage solle, fragen die anderen verdutzt zurück. “Naja, gestern bin ich doch von diesem hübschen Kerl angemacht worden, und es ist jetzt echt nicht mein Alltag, dass mich so ein schöner, gut gebauter junger Mann anbaggert.” Ergo habe sie überlegt, ob der Jüngling vielleicht hinter ihrem vermeintlichen Reichtum her gewesen sei.

Auflösen kann ich das Rätsel auch nicht, aber nach Friedemann Schulz von Thun dürfen wir getrost Mutmaßungen über das Selbstkonzept der Empfängerin und ihr Bild vom Sender anstellen. “Wer sich selbst ver­steht, kom­mu­ni­ziert bes­ser”, sagte der berühmte Hamburger Kommunikationspsychologe in einem seiner Interviews, und manchmal ist eben schon das Spekulieren über andere eine spannende und lehrreiche Angelegenheit.