Raum für Wachstum

(Un-)Coole BürosDurch meinen frisch bezogenen neuen Arbeitsplatz im liebevoll gestalteten sogenannten Co-working Space MATES in einer früheren Kutschenfabrik mitten in München bin ich vielleicht ein wenig verwöhnt, aber beim gestrigen Beitrag der „Horizont“ zu den zehn vermeintlich „coolsten Büros Deutschlands“ geht es mir wie einem Leserkommentator: Sind das – siehe Beispiel links – zum Teil womöglich eher „Negativ-Beispiele“? Und reichen „ein paar Sitzsäcke und ein Wand-Bild, um ein Vorzeige-Büro zu haben“? Meines Erachtens wurde da entweder sehr nachlässig recherchiert, oder es wurden zuweilen die falschen oder schlicht zu niedrige Anforderungen gestellt.

Keinen Ausreißer nach unten enthalten zum Beispiel die Gewinner in der Kategorie „Gewerbe & Büro“ beim „Deutschen Innenarchitektur-Preis“, der bislang zuletzt 2014 verliehen wurde. Der Arbeitsplatz der Zukunft werde „mehr Abwechslung“ bieten, mit „kleinen und großen Tischen, offenen und geschlossene Räumen“ sowie „Einzelzimmern, in denen ich in Ruhe arbeiten kann, und großen Meeting-Räume mit allen digitalen Möglichkeiten“, so Stefan Rief vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaftin einem Interview mit der „Zeit“. „Wenn sich ein Mitarbeiter wohler fühlt und seine Kreativität besser entfalten kann, wird er auch effizienter und produktiver.”

Guter Rat kommt auch von Susanne Busshart, die sich „Expertin im Aufbau von Business-Strukturen“ versteht. In einem Beitrag für „Berufebilder“ empfiehlt sie „Cocooning-Bereiche“ für Telefonate oder konzentriertes Nachdenken, zentrale „Dorfplätze“, flexible „Kreativräume“ und „Entspannungszonen“. Eine gute Mischung, meine ich.

Wie positiv sich das auf die Arbeitsatmosphäre und vor allem auch die -ergebnisse auswirken kann, erlebe ich immer wieder auch bei meinem Kunden TSCNET Services und in dessen modernem Büro mit einer „stillen Botschaft der Räume”, wie es bereits 2014 in einem ausführlichen Artikel in „brand eins“ hieß. Arbeit, so liest man dort, sei heute eben deutlich „komplexer als die Wahl zwischen Zellen- und Großraumbüro“. Ein gutes Büro könne man sich „wie einen ursprünglichen, geheimnisvollen Wald vorstellen“ mit „offenen Lichtungen und undurchdringlichem Dickicht, Büschen und Bächen, moosige Niederungen und sogar abgeschiedene Ecken, in denen man verschwinden kann, wenn man Ruhe braucht“. Klingt nach einer romantischen Utopie, ist aber auch ökonomisch vernünftig. Ab in den Wald!