Queroptimiert in der Kunstvilla

wwltwrd15rfuDank „professionellem Optimierungsguide auch morgen noch in München mithalten können“ und „Next-Level-Upcycling“ für die permanent überdrehende Leistungsgesellschaft – die möglichst durchrationalisierte Intensivbewirtschaftung des Menschen bildete die Arbeitsfläche für Gesche Pienings furioses Gesamtkunstprojekt „Wer wollt ihr werden?“ in der Villa Stuck, dessen Premiere ich gestern erleben durfte. Dort erwarteten mich ein noch eher moderater „Hörparcours“ im fahrenden Taxi, eine multisinnliche Impuls- und Konfrontationsausstellung samt „anarchischem Ausgleichsraum“ sowie ein abschließendes, 15-teiliges Dauerschleifenkonzert mit drei Bühnen und Filmprojektionen im „kulturellen Naherholungsgebiet“. Das Ganze war so bunt, wie es sich liest. Schön, schräg, oder (meistens sogar) beides. Mit Denkern, Schauspielern, Multimediakünstlern und Musikern. Beispielsweise singt Wolfgang Petters Mädchenchor gegen das Castingunwesen an, fragt Landlerschwester Manu Rzytki nach Münchens Freaks, verkündet Knarf Rellöm tanzend seinen „Letzten Willen für das Gemeinwesen“, marschiert „Quer“-Macher Christoph Süß für das „Stück Markenfleisch“ und huldigt Richard Oehmann von Dr. Döblingers geschmackvollem Kaperltheater und Cafe Unterzucker ganz grundsätzlich der Gegenthese. Ein mal eher nachdenkliches, mal stürmisches Fest der Frage- und Ausrufezeichen. Ich bin noch ganz mitgenommen.