Prall aus der Balance

wpebnegwkpIn der Rubrik “Trainingsspitzen” der Zeitschrift “Training aktuell” beleuchtet ein leidenschaftlicher Kommentar zwei Trendthemen der Beratungsszene: die Resilienz und die Work-Life-Balance. Den jeweiligen Ansatz der Autorin finde ich spannend. Die Vorstellung einiger Resilienzcoaches, Niederlagen und Schicksalsschläge “wie Gummi” von sich abprallen zu lassen, erscheint mir weder stimmig noch hilfreich. Häufig geht es doch gerade darum, Widrigkeiten anzunehmen und an schmerzlichen Niederlagen zu wachsen. Das erinnert dann eher an die frühere Mercedes-Benz-Kampagne mit Boris Becker: “Ich habe aus meinen Rückschlägen oft mehr gelernt als aus meinen Erfolgen”.

Auch die “Bauchschmerzen” bei der Work-Life-Balance kann ich gut nachempfinden, wenn Arbeit und Leben nach dem sogenannten Segmentationsmodell als “zwei konkurrierende, sich gegenseitig ausschließende Sphären” gesehen werden. Dabei soll die Arbeit doch bejahenswerter Bestandteil des Lebens sein und nimmt “mit der Lust zu leben auch die Lust zu arbeiten zu und der Mut, mehr zu unternehmen”, wie es Theodor Fontane ausdrückte.

Und was sagt Wilhelm Schmid, mein erklärter Lieblingsphilosoph, dazu? “Statt Arbeit und Leben getrennt zu sehen und eine Balance dazwischen zu suchen, kommt es eher darauf an, einen umfassenderen Begriff von Arbeit zu gewinnen: die Lebensarbeit, in der Arbeit und Leben und die verschiedenen Aspekte von Arbeit integriert sind.” Arbeit sei dabei nicht nur “bloße ‘Güterproduktion’ oder lediglich ‘entlohnte Tätigkeit’, sondern ein Akt der Gestaltung des Lebens“. Sein Fazit: “Die ars laborandi ist Bestandteil einer ars vivendi.” Kein einfaches Ziel, aber ein lohnendes!