Neue VRdS-Seite mit Beitrag zur Corona-Rhetorik

Eine Eröffnung, während ansonsten landauf, landab Läden und Restaurants geschlossen bleiben müssen: Glückwunsch an meine Kolleg*innen im Redenschreiberverband VRdS, die heute die runderneuerte Website (hier) an den Start gebracht haben! Mit dabei: Ein Blogbeitrag von mir zur Rhetorik in Zeiten der weltumspannenden Pandemie: „Coronakrise: Rhetorik in viraler Notlage“. Immerhin hat die Covid-19-Misere unserer Zunft nicht nur große Aufmerksamkeit beschert. Vermutlich noch nie zuvor in meinem Leben traten die Relevanz und die Wirkmächtigkeit öffentlicher Rhetorik so deutlich und so flächendeckend zu Tage wie in diesen Wochen im Bann von SARS-CoV-2. Auch die Medien sind voll von zum Teil ganz hervorragenden Kommentaren und Analysen (ich könnte den ganzen Tag lang lesen …).

Das Virus führt aber auch zu erstaunlichen Entwicklungen – in Wort und Tat. Dass Trump sich mit „martialischer Rhetorik und Eigenlob inszeniert“, war zu erwarten gewesen. Und die Kanzlerin? Johannes Schneider sieht einen Schulterschluss von Exekutive und Wissenschaft und nennt das in der „Zeit“ trotz allem Risiko einen „absoluten Glücksfall“. Merkel „spricht zu uns, wie sie bislang in allen Krisen zu uns gesprochen hat: appellierend und erklärend, nüchtern und unaufgeregt“, kommentiert „NDR“-Kolumnistin Stephanie Pieper. Rüdiger Schaper kommt im „Tagesspiegel“ zu einem anderen Schluss: Für ihn „bekam die Erscheinung der Kanzlerin vor der Kamera etwas Pastorales“. Sie habe sich „verständnisvoll“ und „fest an das Gute im Menschen glaubend“ präsentiert. Im Gegensatz dazu habe Frankreichs Macron als „Charismatiker in einem Land, dessen Rhetorik ohnehin traditionell die Emphase pflegt“, zwar den Krieg ausgerufen („Nous sommes en guerre“), aber sich dabei letztlich „sympathische Wackler“ geleistet. Typen wie Orbán hingegen stellen hemmungslos „die Demokratie unter Quarantäne“, während es die rechtslastige, noch immer nach Kräften zündelnde sogenannte AfD hierzulande auf einmal so gar nicht mehr mit ihrem schon immer hohlen „Merkel muss weg“ hat und nicht nur kommunikativ ins Trudeln gerät. Vielerorts „entzaubert die Corona-Krise die Populisten“, wie Joachim Käppner in der „Süddeutschen Zeitung“ konstatiert. Kommunikation ist auch zurzeit zumindest fast so interessant wie die Entwicklungen rund um die Pandemie. Wollen wir hoffen, dass wir von der in ein paar Monaten vor allem in der Vergangenheitsform sprechen können.