Mr Cool aus der Hofburg zu Wien

Nach einem außerordentlich langen Wahlkampf mit unfairen Attacken seines Kontrahenten und gerichtlich angeordneter Neuwahl wurde Alexander van der Bellen endlich als neuer Österreichischer Bundespräsident „angelobt“. Die Antrittsrede des „bedächtigen Professors der leisen Töne“ am vergangenen Donnerstag mit einem flammenden Appell für Toleranz und die Europäische Union wurde ausgesprochen wohlwollend kommentiert (die komplette Rede hier in der „ORF“-Mediathek ). Van der Bellen habe „eine große Rede gehalten, weil sie klein, bescheiden, menschlich und selbstironisch war“, heißt es beispielsweise in der „Süddeutschen Zeitung“. Der „Kurier“ nannte den Auftritt „leutselig, selbstironisch und verbindend“, die „Kleine Zeitung“ sprach von einer „Rede gegen die Mutlosigkeit“ und der „Bayerische Rundfunk“ betonte die „ruhige Leidenschaft“.

In meinen Augen ist vor allem van der Bellens Ungestelztheit, Lockerheit oder eben „Coolness“ bemerkenswert. Weniger „staatstragender Ton“ als Humor, Gelassenheit und bestens austarierte Launigkeit. Mein Lieblingsbeispiel ist seine Aussage zum Amtsverständnis (nachzulesen hier): „Es ist an und für sich – wie soll ich sagen – auf gut Österreichisch ‘eh klar’: Nämlich, dass ich nach bestem Wissen und Gewissen versuchen werde, nicht nur versuchen, sondern ich werde es sein, ein überparteilicher Bundespräsident, einer, der für alle Menschen in Österreich da ist.“ Oder an andere Stelle eine ganze Passage mit der gleichen Grundbotschaft: „Dieses Gerede von der Spaltung halte ich für maßlos übertrieben. Österreich, das sind einfach wir alle. Alle Bewohner und Bewohnerinnen dieses schönen Landes, ganz gleich, woher sie kommen – aus Wien, aus Graz, aus Salzburg, dem Kaunertal, aus Pinkafeld zum Beispiel und anderen Ecken unserer schönen Heimat. Es ist auch gleich, wen diese Bewohner und Bewohnerinnen lieben – hoffentlich sich selbst – aber, ob sie Mann oder Frau lieben, gleichgültig, ob sie nun Männer oder Frauen sind. Ob sie die Städte lieben oder das flache Land, oder ihr Smartphone oder alles zusammen.“

Gerade bei einem so honorigen Amt in einem derart aufgeheizten Umfeld ist dieser Zungenschlag durchaus gewagt und nicht frei von Risiken, aber hier hat der 73-Jährige ehemalige Grünen-Chef nach meinem Empfinden das richtige Maß gefunden und sich die erforderliche Zeit und den Raum genommen, um seine augenzwinkernden Bonmots auch wirksam einzuordnen und rhetorisch auszugestalten. „Kinder, war das eine Rede“, titelte der „Standard“. Schön gesagt.