Moral gefressen

SonverkaufEnde14iuv“Erst kommt das Fressen, dann die Moral”, so das berühmte Bertolt-Brecht-Zitat. Beides zu verknüpfen versucht der sogenannte kritische Konsum, den viele vor allem durch die “Lohas”, die Menschen mit einem “Lifestyle of Health and Sustainability”, vertreten sehen. Die Kernidee: “Konsum für eine bessere Welt“. Ähnlich liest sich das zum Beispiel auf der Aktionsplattform der katholischen Jugend: Man solle “die Macht als Konsumentin und Konsument nutzen” und “die Welt fairändern“. Um Verzicht geht es also nicht. Im Gegenteil: Im “Geo”-Beitrag “Kann Einkaufen die Welt verbessern?” wird sogar zu massiven Investitionen an “strategischen ‘Key Points'” aufgefordert. Vieles davon entspricht auch meiner Haltung. Allerdings wäre Konsumversicht oft womöglich doch die bessere Alternative. Im aktuellen “Brennstoff“, dem Magazin der unkonventionellen Marke GEA, erinnert der Sozialpsychologe Harald Welzer daran, dass “moralischer Konsum meist nur der Konsum von Moral” ist – längst habe sich ein eigenständiger Wirtschaftszweig entwickelt, in dem “Haltung durch Branding und Protest durch Event ersetzt” worden seien. Ich bin mir allerdings nicht gewiss, dass sich diese Sicht bei vielen “Lohas” durchsetzen wird.