Memento der Digital Natives

Manche Online-Phänomene nerven oder sind von kaum zu überbietender Belanglosigkeit, manche faszinieren mich. Zu zweiteren zählt die Mem-Kultur: kleine, oft sehr witzige und in irgendeiner Form kreative bzw. ungewöhnliche Bildchen oder Filmchen, die sich viral – also von Nutzer zu Nutzer – verbreiten und permanent weiterentwickelt werden. In vielen Fällen versprühen Meme  Detailverliebtheit, Witz und Inspiration, gerade wenn sich viele unterschiedliche Internetnutzer zum gleichen Thema austoben. Typisch sind dabei beißender Spott und Ironie, insbesondere bei Memen mit politischem Bezug oder solchen, die eine Form von Protest darstellen.

Aktuelle Beispiele für den Mem-Hype in der internetgestützen Alltagskultur sind der “Weltall-Fallschirmspringer” Felix Baumgartner, der in Memen durch springende Katzen oder auf Youtube durch Lego-Figuren ersetzt wird, und der US-amerikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney mit seiner “Ordner voller Frauen”-Panne, die ebenso hämisch wie spaßvoll aufgegriffen und “verwurstet”, oder besser eben: “vermemt” wird (siehe auch Beitrag in der “Süddeutschen Zeitung“). Eines der ersten bekannten Mem-“Opfer” war ein kalifornischer Polizist, der friedliche Demonstranten völlig enthemmt mit Pfefferspray attackierte (vgl. Beitrag in der “Zeit” vom 24.11.2011)  – er fand sich im Internet als wieder. Und verlor, nicht zuletzt wegen des auch durch die Meme verstärkten öffentlichen Drucks, seinen Job.

Das Wort “Mem” oder “Meme” ist übrigens ein Kunstwort aus dem französischen “même” für “gleich”, dem lateinischen “memor” für “in Gedanken an” und dem griechischen “mimeisthai” für “nachahmen”. Es wurde 1976 durch den britischen Evolutionsbiologen Richard Dawkins eingeführt und steht für einen einzelnen Bewusstseinsinhalt, beispielsweise einen Gedanken, der durch Kommunikation weitergegeben und somit vervielfältigt werden kann.