Lernen mit Austauschprogramm

„Fürchte die Unwissenheit, aber noch mehr fürchte falsches Wissen“, lautet eine buddhistische Weisheit. Das Problem: Vermeintliches Wissen zu ersetzen oder Vorurteile zu überwinden, erfordert Energie – und unser Gehirn ist überaus hartnäckig darin, Energie zu sparen. Einen sehr charmanten und schön anzusehenden Versuch, mit besonders populärem Falschwissen aufzuräumen, unternimmt die Website „Information is beautiful“: Für jede weit verbreitete Unwahrheit ein einprägsames Piktogramm und eine knappe Richtigstellung. Die Bandbreite reicht von Haien, die leider doch an Krebs erkranken können, über unsere berühmten „fünf Sinne“, von denen wir zum Glück deutlich mehr haben, bis zum Teufel, der womöglich doch nicht die Hölle beherrscht. Mal nützlich, mal eher amüsant. In jedem Fall dürfte es eine gute Übung darstellen, eigene Überzeugungen zu hinterfragen.

„Das Nützlichste, was wir im Leben lernen können, ist zu verlernen, was unwahr ist“, so Antisthenes, einer der Schüler Sokrates’. Dem sogenannten Entlernen kommt heute gerade auch bei der Persönlichkeits- und Organisationsentwicklung eine zentrale Bedeutung zu. Der bekannte Psychiater und Psychoanalytiker Fritz Simon hat auf diesem Gebiet wichtige Grundlagen erarbeitet. Jeder Mensch verfüge über ein Repertoire an „bereits erlernten Mustern zur Verhaltenssteuerung“ sowie „Prozeduren zur Problemlösung“ – diese „immer irgendwie erfolgreichen und das Überleben bisher sichernden Strategien” müssten zunächst blockiert werden, um Entwicklung überhaupt möglich zu machen.

Der Veränderungsexperte Mark Bonchek ist sicher, dass wir „in allen Bereichen und Ebenen der Wirtschaft mit Vorstellungen operieren, die sich als hinfällig oder überholt erwiesen haben“, schreibt er in der „Harvard Business Review“. Auch er ist überzeugt: „Nicht das Lernen ist das Problem – es ist das Entlernen“. Einfaches Vergessen sei nicht genug, vielmehr gehe es um die „Fähigkeit, sich für ein alternatives mentales Modell oder Paradigma zu entscheiden“ und die bisherigen Vorstellungen zu ersetzen. Um nicht wieder in alte Denkweisen zurückzufallen, müsse man das neue Wissen trainieren und tief in sich verankern. Der vor knapp einem Jahr verstorbene „Futurologe“ Alvin Toffler gibt die Marschrichtung für unsere Wissensgesellschaft auf dem Weg zur digitalen Transformation vor: „Die Analphabeten des 21. Jahrhunderts sind nicht diejenigen, die weder schreiben noch lesen können, sondern diejenigen, die nicht lernen, entlernen und wieder neu lernen können.“