Kreativer Widerstand

Ein paar Meter von meinem Büro entfernt liegt die Glockenbachwerkstatt, ein Haus der Kultur und bürgerlichen Engagements. Dort prangt seit ein paar Ragen ein Riesenbanner mit goldener Schrift auf knallrotem Grund: “Rettet den Bolzplatz“, heißt es da. In der Tat gibt es offenbar Pläne, den kostbaren innerstädtischen Spielplatz im Besitz der Stadt aufzulösen. Und dagegen wird protestiert – lautstark, kreativ und voller Witz. Faszinierend finde ich vor allem die “Immobilienorganisation” Goldgrund: In Form einer bis ins Detail perfekt inszenierten Parodie wird ein kompletter Internetauftritt eines vorgeblichen Investorenbüros als “Bonzenhandlanger” fingiert – samt schwülstigen, szenetypischen Projektbeschreibungen und hundsgemeinen Seitenhieben auf weniger Betuchte. Dazu gibt es Plakate, Infoveranstaltungen und auch noch prominente Unterstützer vom “Löwen”-Verteidiger Necat Aygün, der als Kind regelmäßig auf dem Platz kickte, bis zu den Sportfreunden Stiller. Guerilla-Kommunikation vom Feinsten. Und sie wirkt: Die “Bolzplatz-Initiative” hat es in alle großen Münchner Stadtmedien geschafft. So titel die “Abendzeitung”: “Bonzen statt Bolzplatz? Aufruhr um Bau-Pläne” und berichtet der “Münchner Merkur” von “Aufregung um Plakate im Glockenbachviertel”. Wirklich gelungen – ich freu mich schon auf den nächsten Streich!