Kommunikation mit Wirkstoffen

Becher876876Slogans, Mailings, Reden, Kompetenzformeln, Naming, Headlines, Pressetexte, Hörfunkspots und und und – Kommunikationsprofis wissen um die Macht des Wortes, aber auch um deren Grenzen. Von Metaphern über die Haptik eines Papiers bis zur Produktprobe gibt es viele Mittel und Methoden, andere Sinne anzusprechen und Botschaften erlebbar zu machen. Über eine Coaching-Kollegin wurde ich jetzt auf die kanadische Psychologin Danie Beaulieu und ihre sogenannten Impact-Techniken aufmerksam, die man neben dem Coaching zum Beispiel auch in der Veränderungskommunikation mit großem Gewinn nutzen kann. Im Kern geht es darum, den Verstand gewissermaßen zu überspringen und Inhalte oder Sichtweisen direkt erlebbar oder auch buchstäblich begreifbar zu machen. Ein bekanntes Beispiel, bei dem es um das Selbstwertgefühl eines Menschen geht, arbeitet mit einem ganz normalen Geldschein. Der ist zunächst schön glatt und wird anschließend vor den Augen des verblüfften Zusehers zerknüllt oder gar zertreten – hat sich sein Wert dadurch verändert? Eine andere Technik nutzt einen handelsüblichen Plastikbecher, der geleert und wieder gefüllt werden kann, bis er effektvoll zerschlagen wird, dadurch Risse bekommt und kein Wasser mehr fassen kann. Eine eindrucksvolle Analogie zum Beispiel zum Themenfeld Geduld.

Auch für die Unternehmens- und die Produktkommunikation oder im Rahmen von Change Communications sind Beaulieus Techniken und Werkzeuge in meinen Augen eine wunderbare Inspiration, auch wenn es manchmal einigen Um-die-Ecke-Denkens bedarf. Die Mühe lohnt sich allemal – sinnliches Erleben als eine Art Turbo der Kommunikation. „Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war“, konstatierte der englische Philosoph John Locke bereits im 17. Jahrhundert.