In den Markt gepresst

amazon leipzigMonopolist, Lohndumper, Einzelhandelszerstörer oder zum Beispiel Steuertrickser – die Liste an Vorwürfen an den Versandgiganten Amazon ist lang. Ziemlich großartig hingegen klingt für mich das Standardverfahren zur Prüfung der Marktchancen neuer Produkte und Services, wie es der Deutschland-Chef des Unternehmens laut einem Beitrag in der „W&V“ beschreibt: Am Anfang steht immer eine  Pressemitteilung! Zu jeder Idee müsse „zuerst eine einseitige Mitteilung verfasst werden, die erklärt, was das Produkt kann und warum es auf den Markt kommt“. Diesen Text könne man dann auch problemlos mit Kollegen in aller Welt teilen und diskutieren. Wenn man sich dabei konsequent an die Regeln für eine journalistisch gehaltene Pressemitteilung hält, sehe ich darin tatsächlich eine hervorragende Methode, um ganz sachlich und im Idealfall ganz ohne jedes sprachliche Blendwerk gewissermaßen den Kern der Idee und vor allem ihren Nutzen herauszuarbeiten. Kurz und bündig. Denn genau das macht eine gute Pressemitteilung aus.

Gerne kann man in Gedanken das Bild von der Druckpresse durch das einer Saft- oder Ölpresse ersetzen: Unter Druck fördert man die Essenz zutage, das Wesentliche. Am Ende stehen vier Fragen, wie der britische „Guardian“ schreibt: Ist an meiner „Story“ irgendwas neu? Enthält sie etwas Ungewöhnliches oder Überraschendes? Wäre das auch für Menschen außerhalb meines Geschäftsfelds von Interesse? Und würde es für irgendjemanden wirklich von Bedeutung sein? Wer all das mit Ja beantworten und auch noch in knappen Worten nachvollziehbar und überzeugend darlegen kann, dürfte in der Tat auch gute Aussichten für eine Markteinführung haben.

Bild: Amazon (Logistikzentrum Leipzig)