Im Zweifel zu Hause

zwiflta14hgcvDie Teilnehmer an eher dumpfen Aufmärschen à la “Hogesa” oder “Pegida” verweigern meist jedes Gespräch mit Journalisten von der “Systempresse” – die würden doch ohnehin alles verdrehen. Aber auch sonst – rechts wie links, oben wie unten – stellen Experten eine erschreckende Erosion des Vertrauens in Medien fest. Kompetente Mediennutzung verlangt nach einer kritischen Haltung, aber was wir vielfach erleben ist wohl eher eine nicht weiter hinterfragte, nahezu totale Journalismusverweigerung in Kombination mit einer erstaunlich unkritischen Hinwendung zu Verschwörungstheorien und bezahlter Propaganda. Allein in den jüngsten vier Wochen hatte ich drei Gespräche mit Menschen, die lieber anonymisierten Facebook-Meldungen oder Russlands nachweislich manipulierenden Staatsindoktrinierern Glauben schenken als handwerklich blitzsauberen Zeitungsrecherchen.

Nach meinem Eindruck haben sich viele Menschen in ihrem verabsolutierten Zweifel quasi häuslich eingerichtet. Die Schweizer “Tageswoche” hat jetzt fünf Thesen zum “schwer fassbaren Unbehagen gegenüber traditionellen Medien” zusammengestellt und ruft ihre Leser zur Grundsatzsdiskussion auf. Ich bin gespannt auf die Ergebnisse. Derweil werde ich weiter Medien als unersetzliche Quelle für Informationen und Hintergründe nutzen. Nicht blindlings, aber offen und neugierig. Wie der ungläubige Thomas auf Caravaggios berühmtem Gemälde können wir es schließlich nicht machen – der Großteil der Erkenntnisse über unsere Welt gründet sich zwangsläufig nicht auf persönliche Erfahrungen, sondern Vermittlung, und in den meisten Fällen eben mediale Vermittlung. Liebe Qualitätsmedien: Gut, dass es euch gibt!