Im Kleinen ganz groß

Das Zitat in der „Vertriebszeitung“ macht da nicht viel Federlesens: „Für große Kunden soll das Unternehmen große Leistungen erbringen und für die Kleinen nur kleine“, heißt es da. Dies mag betriebswirtschaftlich als Faustregel durchgehen, jedoch sträubt sich in mir vieles gegen diese Haltung. Auch ich habe ein paar Kleinkunden, die nur einen geringen Teil meines Jahresumsatzes bringen, die Arbeit für sie aber will ich mit der gleichen Passion und der gleichen Einsatzbereitschaft leisten. Sie macht in der Regel auch die gleiche Freude und weckt in mir grundsätzlich das gleiche Interesse. Ein gutes Beispiel ist das bauarchäologische Schweizer Unternehmen BAB Gollnick. Dessen Leiterin, Ulrike Gollnick, kann stundenlang vom sogenannten Bauerbe vor allem in der Schweiz erzählen. Da gibt es Kathedralen, hölzerne Herrenhäuser, Wehrburgen, Pestlöcher, mittelalterliche Wirtshaustheater oder mysteriöse Eisenscheiben mit Bronzeauflage in Form eines Männchens. Und immer lehren uns die Bauten oder Bauteile etwas über das Leben und die erstaunlichen Fähigkeiten unserer Vorfahren.

Vor ein paar Tagen hat ein Reporter des Schweizer Rundfunks mit Ulrike Gollnick einen schönen Beitrag zum hitzigen Streit um den geplanten Abbruch rund 700 Jahre alter Holzhäuser im Kanton Schwyz gemacht. Wer Interesse hat – und als Dreingabe schönstes Schwizerdütsch hören will: Den knapp sechsminütigen Hörbeitrag gibt es frei abrufbar hier. Ich freue mich derweil schon auf den nächsten faszinierenden Einblick in irgendein ganz besonders ausgefallenes Spezialfachgebiet oder eine womöglich randlagige Marktnische, den mir einer meiner geschätzten Kleinkunden ermöglicht. Egal ob groß oder klein, Premium- oder sogenannter C-Kunde: Auf ins Terra incognita – size doesn’t matter!