Hype mit Vorgeschichte

Monster BusterSelbst überzeugte Nicht-Daddler und hartgesottene Online-Verweigerer dürften in den vergangenen Tagen von „Pokémon Go“ gelesen oder gehört haben. Die „Süddeutsche Zeitung“ diagnostiziert ein weltweites „Monster-Fieber“ und spricht von einem „absurden Hype“, und das „Handelsblatt“ wähnt Hersteller Nintendo sogar auf dem „Weg zur Weltherrschaft“. Wer das Smartphone-Spiel einmal selbst ausprobiert hat, versteht den Reiz, und gefühlt jeder zweite Marketer fahndet hektisch nach Ideen, um auf den Schnell-Zug aufzuspringen, wie ein Blick in die „Horizont“ bestätigt. Aber klar: „Zum ersten Mal vermischt sich die digitale mit der realen Welt“, schreibt beispielsweise der „Wiesbadener Kurier“. Tatsächlich? Da nämlich liegt das Blatt falsch, und mit ihm unzählige Kollegen bei nationalen und internationalen Medien. Mit „Monster Buster“ gibt es ein ganz ähnliches Augmented-Reality-Spiel für Microsoft schon seit mehr als anderthalb Jahren.

Einige Monate nach Erscheinen des App-Spiels fasste ein Tester auf „Dr. Windows“ das kostenlose Ungeheuer-im-echten-Leben-Game wie folgt zusammen: „Ein Blick durch die Kamera und du entdeckst plötzlich Monster aus parallelen Universen, die in unsere Welt eindringen wollen. Diese gilt es mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpfen. Das eigene Monster muss trainiert werden, so entwickelt sich ein kuscheliges Haustier zu einem brutalen Killer, mit dem man seine Stadt vor den angreifenden Monstern beschützen kann.“ Klingt nach „Pokémon Go“? Voll und ganz. Von wegen Weltneuheit! Aber die Sache mit dem weltweit grassierenden Spielfieber, die ist tatsächlich neu.