Guter Wille schlecht verpackt

nzhsfltlspr15tgbDie Kombination aus Flüchtlingsdrama und sich immer wieder entladendem Fremdenhass wird wohl leider noch lange eines der beherrschenden Themen sein. Immer wieder geht es bei der Diskussion auch um die zentrale Rolle von Sprache und Kommunikation. Als Vizekanzler Gabriel die rechtsextremen Gewalttäter von Haidenau als „Pack“ bezeichnete, begrüßten viele seine klaren Worte. Vereinzelt wiesen Experten aber auch darauf hin, dass seine Wortwahl Menschen mit lädiertem Selbstwertgefühl weiter entwerte und die ausgrenze, die ohnehin am Rande der Gesellschaft stehen. So zitiert Jakob Augstein im „Spiegel“ den Soziologen Wilhelm Heitmeyer , der bereits vor Jahren vor einer „Zunahme menschenfeindlicher Einstellungen und Verhaltensweisen“ gewarnt hatte, wenn „immer mehr Menschen in unsichere Arbeits- und Lebensverhältnisse, politische Ohnmachtsempfindungen und instabile emotionale Situationen, kurz: in prekäre Anerkennungsverhältnisse geraten“ würden. Oder in den Worten Stefan Bergs: „Wer die Menschenwürde verteidigen will, darf sie niemandem absprechen.“

Der „Tagesspiegel“ erinnert dabei an die „Macht der Sprache“ sowie die „Wirkung der öffentlichen Rede“ und hofft auf die richtigen Worte irgendwo zwischen Luther und Brandt „gegen die Brandstifter, für die Bürger“. Im NDR wünscht sich Ulrich Kühn ebenfalls „eine unverbrauchte Sprache ohne Phrasen und Pöbelei für eine schwierige Gegenwart“ und eine neue „öffentliche Rhetorik, die den Unverstand nicht schürt und trotzdem klar und deutlich ist“. Einfach sei das nicht, aber in jedem Fall „einen Versuch wert“. Resignieren ist nicht! Gehen wir’s an, und versuchen wir beharrlich, das angebliche „Pack“ eingermaßen zurückzuholen in eine mitfühlende, aufgeklärte Gesellschaft.