Großer (Un-)Bekannter ohne Phrasen

Durch seine Körpergröße falle er auf, durch sein „bubenhaftes Lächeln“ oder auch seinen Lockenkopf, kaum aber durch „Politphrasen oder markige Sprüche“, schrieb Erich Setzwein in der „Süddeutschen Zeitung“ im April 2012, als klar war, dass Alex Dorow, der bekannte Hörfunk- und Fernsehjournalist des Bayerischen Rundfunks als Nachrücker für die CSU Landtagsabgeordneter werden würde. Dorow war unser Gast beim gestrigen Quartalstreffen der Regionalgruppe Bayern des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache (VRdS) in München, und auch dort verfiel er in keinem Moment ins Phrasenhafte. Er zeigte sich aufs Angenehmste offen, nahbar und interessiert, und wohl jeder von uns konnte unbekannte Seiten an dem in Bayern so bekannten Mann entdecken.

Im Mittelpunkt des kurzen Vortrags und vor allem des anschließenden Gesprächs standen die Rhetorik im Parlament und der politische Diskurs im Wechsel zwischen Landtag und Wahlkreis. Dabei hatte Dorow qua vita mindestens zwei Sichtweisen im Gepäck: die des Journalisten, der über Reden und Redner berichtet, und die des Politikers, der selber Reden hält. Wie seine Reden entstünden, wen er dabei als vornehmliche Zielgruppe sehe, ob er selber schon einmal die Dienste eines Redenschreibers in Anspruch genommen habe, oder wie wirkungsvoll eine Rede in Zeiten Sozialer Medien noch sein könne – das waren einige der vielen Fragen, die wir unserem Gast stellten.

Dorows Antworten und kleinen Erzählungen waren ebenso interessant und erhellend wie lebensnah und „echt“. Das Spektrum reichte von der Gründung eines Schuldebattierclubs über den eher polternden Besuch eines fressalienbewehrten Mittelständlers oder die dramatische Begegnung mit der Mutter eines jungen Mannes, der im Gefängnis Suizid begangen hatte, bis zum Sinnieren über die phasenhafte Introvertiertheit des Ammersees. In einem Beitrag des „Main-Echos“ wird Dorow als „die Ton ge­wor­de­ne jour­na­lis­ti­sche Se­rio­si­tät“ beschrieben – dass der 53-jährige fünffache Vater auch Gefühl kann, durften wir gestern erleben.

Übrigens: Der nächste, insgesamt schon zwölfte Stammtisch des VRdS Bayern findet am Montag, dem 22. Januar 2018, statt. Auch interessierte Nichtmitglieder sind willkommen.

Großes Foto: Bildarchiv Bayerischer Landtag / Rolf Poss