Great Britain? Kannste knicken …

BREXIT-SchlagzeilenFußballeuropameisterschaft? Vorübergehend kein Thema. Das Bild vom coolen, weltoffenen Briten? Passé. Der lange Zeit für kaum denkbar gehaltene Ausstieg Großbritanniens aus der EU scheint nach dem knappen Referendum tatsächlich wahr zu werden. Die Welt reibt sich verwundert die Augen – und macht sich Sorgen. „Mit der Entscheidung für einen Brexit manövrieren die Briten nicht nur sich selbst, sondern ganz Europa in schwierige Zeiten“, wie es in der „Süddeutschen Zeitung“ heißt. Auch so wunderbare Medienbeiträge wie John Olivers feurige Anti-Brexit-Show (großartig vor allem das überdrehte „F*k the European Union“-Lied ab etwa der vierzehnten Minute) konnten ein Mehrheitsvotum für den Abschied vom Projekt Europa nicht mehr verhindern.

Während die englische Presse vor allem durch hemmungslosen Kampagnenjournalismus à la „The Sun“ auffiel, gab und gibt es in den Medien im In- und Ausland auch sehr kluge Kommentare und aufwändige, kreative Erklärstücke. Klasse fand ich auch die „besonders kreative Lösung der Berliner ‘B. Z.’ angesichts des bei Redaktionsschluss noch ungewissen Ausgangs des Referendums“, die von der „Horizont“ aufgegriffen wurde. Aus der Not machte das Hauptstadtblatt eine Tugend und entwickelte eine gewissermaßen doppelte Titelseite zum Umfalten – je nach Faltung stand dort „Great! Britain bleibt!“ oder dann leider „Aus und raus“. Für mich passte das Knickverfahren auch hervorragend zum knappen Ausgang des Volksentscheids und zur Zerrissenheit der Bevölkerung (verkürzt gesagt: Alte gegen Junge, weniger Gebildete gegen Gebildetere, Engländer gegen übrige Briten). Das Ergebnis der Abstimmung sorgt für Kopfschütteln, aber immerhin bietet sich viel Stoff für politische, medienkundliche und kommunikationswissenschaftliche Analysen.