Geregeltes Sozialleben

Social-Media-RegelnDa ein Foto vom feuchtfröhlichen Umtrunk mit Geschäftsfreunden auf Facebook, dort ein unbedachter Kommentar über die vielen Überstunden auf Twitter, oder hier eine flapsige Bemerkung über die „sexy“ neue Sekretärin per Whatsapp – während immer mehr Menschen Soziale Medien immer stärker nutzen, mangelt es auch unter Berufstätigen leider nach wie vor an Wissen um mögliche Fettnäpfchen und Fallstricke. Einer meiner Kunden hatte mich nach „einschlägigen Erfahrungen“ mit der Entwicklung klarer Richtlinien und Empfehlungen zum Umgang mit den beliebten Netzwerken im Rahmen der Internen Kommunikation beauftragt, die ich jetzt als „Corporate Social Media Rules“ auf Englisch im Rahmen einer Kurzpräsentation vorgestellt habe. Vor allem die vielen sehr anschaulichen Negativbeispiele (gesammelt zum Beispiel hier, hier, hier oder hier) sorgten für Aufmerksamkeit und einige „Oha“-Effekte.

Einerseits sollten die Regeln alle wichtigen Fehlerquellen abdecken, andererseits sollten es möglichst wenige in möglichst knapper Form werden. Wichtiger Nebenaspekt: aufmerksam machen, ohne die Freude am Chatten und Posten zu nehmen. Am Ende erhielt jeder Mitarbeiter eine DIN-A4-Seite im Stile einer mit bunter Kreide beschriebenen Schiefertafel. Hier die meines Erachtens wichtigsten Regeln auf Deutsch:

  • „Denke nach, bevor du etwas postest.“
  • „Alles, was du in Sozialen Medien tust, geschieht auf dein eigenes Risiko und unter deiner persönlichen Verantwortung.“
  • „Sei ehrlich und offen, trage etwas bei, knüpfe Kontakte, sei fair und habe Spaß!“
  • „Befolge alle Regeln und Vorgaben, die auch sonst im Beruf und am Arbeitsplatz gelten.“
  • „Der Job geht vor! Lass Soziale Medien nicht deine Arbeit beeinträchtigen.“
  • „Mache klar, dass Ansichten und Meinungen deine persönlichen sind, und nicht die des Unternehmens.“
  • „Respektiere Urheberrechte. Wenn dir etwas nicht gehört oder ausdrücklich zur Verfügung gestellt wurde, benutze es nicht!“
  • „Denke stets an die ‘THINK’-Formel: Ist es wahr (true), nützlich (helpful), inspirierend (inspiring), wichtig (necessary) und zugleich freundlich/nett (kind)?“
  • „Keine Beleidigungen, nichts Anstößiges, kein Lästern! Vorsicht mir Ironie und Sarkasmus.“
  • „Intoleranz und unredliche Inhalte werden nicht akzeptiert. Keine abwertenden Bemerkungen hinsichtlich Rasse, Geschlecht, Religion, sexueller Orientierung oder körperlicher Besonderheiten/Einschränkungen!“
  • „Denke sehr gut nach, bevor du persönliche Angaben zu dir selber machst.“
  • „Gehe verantwortungsvoll mit dir anvertrauten Informationen um.“
  • „Vertrauliche Angaben und sämtliche Informationen zu Kunden, Geschäftspartnern und Kollegen haben in Sozialen Netzen nichts verloren.“
  • „Wenn dir ein Fehler unterläuft, stehe zu ihm und korrigiere ihn möglichst sofort. Halte genau fest, was du unternimmst, um den Fehler wiedergutzumachen. Dein Vorgesetzter und unsere Social-Media-Experten helfen dir gerne bei Fragen oder Schwierigkeiten.“

Übrigens hat BitKom, der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V., bereits vor sechs Jahren eine zwölfseitige Ratgeberbroschüre mit Tipps für Unternehmen rund um „Social Media Guidelines“ herausgebracht (die Publikation lässt sich hier kostenfrei als PDF-Datei herunterladen). Solche Richtlinien seien für Mitarbeiter eine wichtige Orientierungshilfe und schützten sowohl das Unternehmen als auch die Angestellten, so Markus Scheufele, deren Bereichsleiter Urheberrecht, gegenüber dem Wirtschaftsmagazin „Impulse“. Eine Pflicht zur Erstellung solcher Guidelines bestehe zwar nicht, meint die Fachplattform datenschutzbeauftragter-info.de, aber jedes Unternehmen sollte sie schon „unter Datenschutz- und Compliance-Gesichtspunkten dringend in Erwägung ziehen“.