Gemalt in den Wortschatz

deixEiner meiner Lieblingskarikaturisten ist tot: Manfred Deix. Laut „Spiegel“ wurde er vor allem mit „drastischen gemalten und gezeichneten Zeitkommentaren“ bekannt und gewährte in seinen Bildern „schonungs- und kompromisslos Einblicke in die Abgründe des modernen Lebens“. Seine „befremdlich realistischen“, stets unverkennbaren Werke waren verzerrt, für manche oft auch ekelerregend, im besten Sinne schräg, fies, aber nie herzlos. Mich hat seine handwerklich famose Arbeit immer an den Kabarettisten sowie Schauspieler Josef Hader und den zeichnenden Kollegen Gerhard Haderer erinnert – beide ebenfalls aus Österreich. Karikatur ohne Bissigkeit, Drastik und Schärfe ergäbe für ihn einfach keinen Sinn, erklärte Deix einmal, wie es beim „ORF“ heißt. Mit seiner Kunst haben es er und die „Deixfiguren“ sogar in die Dudenausgabe unseres Nachbarlandes geschafft, wie die „Welt“ schreibt. Deix „wird einer immer glatter und ungeiler werdenden Welt als Chronist und zugleich König einer schmuddeligen Zeit fehlen“, meint Ingeborg-Bachmann-Preisträger Franzobel in einem weiteren „Spiegel“-Beitrag. „Narrisch wea’n“, das können die Österreicher einfach gut, und das ist zuweilen doch das einzig Wahre.