Erfolg als Redner – an fünf Fingern abzählen!

„Um eine gute Stegreifrede zu halten, brauche ich drei Tage Vorbereitungszeit“, soll Mark Twain gesagt haben. Da ist was dran – unter professionellen RedenschreiberInnen sowie erfahrenen RednerInnen gibt es wohl kaum eine oder einen, die oder der vor einer Rede nicht zu einer gewissenhaften Vorbereitung raten würde. Aber auch in den letzten Minuten vor einem Auftritt lässt sich noch etwas ausrichten, und zwar nicht nur gegen grassierendes Lampenfieber. Damit in der Hektik oder Aufregung nichts vergessen wird, gebe ich meinen Klienten gerne meine spezielle Fünffinger- oder auch Daumen-hoch-Regel mit auf den Weg. Das Last-Minute-Notfallprogramm hilft nicht immer, aber meistens. Wie das geht? Ganz einfach: Suchen Sie sich einen Raum oder einen abgetrennten Bereich, in dem Sie ungestört sind, stellen Sie sich aufrecht, aber bequem hin, und bilden Sie mit der dominanten Hand eine Faust. Dann kommt Schritt eins, besser: Finger eins.

Daumen hoch! Der Auftakt des kurzen Rituals ist vor allem ein Signal an Sie selbst: Wird schon schiefgehen! Sprechen Sie sich Mut zu und malen Sie sich ein paar Augenblicke lang Ihren gewünschten Erfolg aus. Gönnen Sie sich ein paar positive innere Bilder und Gedanken. Dann strecken Sie für den zweiten Schritt zusätzlich zum nach oben gestreckten Daumen den Zeigefinger aus.

Hier geht’s lang! Der Zeigefinger müsste jetzt ungefähr auf Brusthöhe nach links weisen (bei Rechtshändern, sonst eben nach rechts) – Startsignal für eine kurze Lockerungs- und Mobilitätsübung: Neigen Sie Ihren Kopf in die angezeigte Richtung und lassen Sie Ihren Kopf ganz sanft ein paar Mal kreisen. Schon folgt der dritte Finger – je nach Typ rate ich zum gestreckten Mittelfinger à la Johnny Cash oder dazu, zusammen mit dem Ringfinger ein „V“ als Siegeszeichen zu formen.

Jetzt komme ich! Und ihr könnt mich mal! Was ein wenig drastisch klingt, soll den Rebellen und den Rockstar in Ihnen wachkitzeln. Machen Sie sich Mut. Nutzen Sie die Kraft der Autosuggestion/Affirmation. Gleich werden Sie auf die Bühne gehen und ihr Bestes geben! Sie sind jetzt der Star! Das Lampenfieber kann Ihnen dabei sogar helfen – Adrenalin bedeutet auch Energie! Und es schärft die Sinne. Nehmen Sie dann ein paar typische Star-Posen ein, gestikulieren Sie, schneiden Sie wilde Grimassen, machen Sie Faustschläge in die Luft. Das lockert auf und sorgt für eine lebendigere Körpersprache. Zudem tricksen Sie mit etwas Bewegung Ihren Fluchtreflex aus. Fluchen Sie ruhig ein wenig (aber bitte nur so laut, dass man es draußen auf keinen Fall hören kann). Verwenden Sie Kraftausdrücke. Singen Sie Ihren Lieblingsrefrain. Das befreit die Stimme. Ihr Auftritt wird vielleicht nicht allen gefallen? Sie könnten einen Fehler machen? Na wenn schon – ein echter Star verfügt auch über ein gesundes Maß an Missachtung! Sie schaffen das! Weiter zum vierten Schritt respektive zu vier Fingern.

Vier Mal ein und aus! Atmen Sie ruhig und langsam vier Mal tief ein und aus. Am besten jeweils nach der sogenannten 4-6-8-Methode: Langsam und tief durch die Nase einatmen, während Sie bis vier zählen, die Luft anhalten, während Sie bis sechs zählen, und schließlich langsam durch den Mund ausatmen, während Sie bis acht zählen. Das aber nur als ungefähre Faustregel. Fehlt noch der fünfte, der kleine Finger.

Das gewisse Etwas! Der digitus minimus steht bei uns für die Geheimzutat – Ihre ganz persönliche Prise Magie. Nicht unbedingt viel, aber etwas Besonderes. Etwas, das Sie und Ihren Vortrag (heute) auszeichnet. Das kann Ihre Expertise sein. Oder Ihr ganz eigener Bezug zum Thema. Oder was Sie mit Ihrem Vortrag bewegen wollen. Oder ein inspirierender Gedanke, vielleicht auch geboren aus Befürchtungen. Oder es sind bestimmte Menschen im Publikum, die Sie begeistern wollen. Oder es ist eine simple, aber treffende Gleichung. Wenn Sie wollen, auch der liebe Gott, der Ihnen beistehen wird. Jetzt haben Sie alles, was Sie brauchen. Jetzt sind Sie soweit. Und jetzt ist es soweit. Gehen Sie wacker raus auf die Bühne, und zaubern Sie ein wenig! Sie haben es jetzt quasi buchstäblich in der Hand. Ich drücke Ihnen fest die Daumen!