Die Macht der Sprachpanscher

In seinem kraftvollen Kommentar “Schluss mit der Selbstzensur” in der “Financial Times Deutschland” beleuchtet Klaus Smolka eine leider ganz alltägliche Unsitte in der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit: Interviewtexte, die dem Befragten vor ihrer Veröffentlichung zur sogenannten Autorisierung zugehen, werden nicht etwa freigegeben, sondern grundlegend “umgeschrieben”, “sprachgetunt” oder einfach nur entschärft. In der Folge führe das, so Smolka, zu “verschwurbelten Statements” und “nachgearbeitetem PR-Gewäsch, das kein Mensch aus Fleisch und Blut je sprechen würde”.

Auch ich erinnere mich an viele hitzige Diskussionen mit Kunden im Nachgang zu Interviews, aber in der Regel war ich es, der sie als Berater davon zu überzeugen versuchte, zu dem Gesagten zu stehen und den jeweiligen “redaktionellen Dreh” zu akzeptieren. Immer gelang mir das nicht: Eine Kundin, deren Unternehmen in einer veritablen Krise steckte, unterbrach die Aufzeichnung eines Fernsehinterviews so oft (übrigens kreischend und wild vom Stuhl aufspringend), bis Redakteur und Kamerateam entnervt aufgaben und abzogen. Klar: Der Bericht, der am gleichen Abend – ohne Zitat meiner Kunden – ausgestrahlt wurde, war trotz größter Fairness seitens der Redaktion ziemlich verheerend …