Coaching mit Zugkraft

chnteppIn einem bemerkenswerten Beitrag der “Süddeutschen Zeitung” über eine sehr persönliche Pressekonferenz des Golf-Profis Martin Kaymer in München geht es auch um Coaching. Offenbar verwechselt der Sportler hier lösungsorientiertes Coaching mit “Couching“, wie wir es aus zweifelhaften Klischeevorstellungen von der Psychoanalyse kennen. Auf die Frage, ob er Hilfe brauche, zum Beispiel von einem Mentalcoach, antwortete Kaymer: “Ich will mich nicht auf die Couch setzen.” MIt einem Mentalcoach werde man “so tief reingezogen, dass man sich nur noch Gedanken macht”. Als Coach kenne ich durchaus Fälle, in denen man weit in die Tiefe geht und sich viele Gedanken macht, aber immer behält man die Lösung im Blick. Im Gegenteil: Gerade professionelles Coaching hilft dabei, die sogenannte Problembrille abzulegen und erste konkrete Schritte in Richtung Lösung zu unternehmen.

Noch eine erstaunliche Sicht vertritt Kaymer: “Wenn man sich selbst vertraut, dann braucht man keine Hilfe.” Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten ist tatsächlich eine wichtige Voraussetzung für erfolgreiches Problemlösen, allerdings braucht es eben auch oft den unverstellten Blick oder den entscheidenden Impuls von außen, um den Weg ans Ziel sehen und einschlagen zu können. Abgesehen davon lässt die Pressekonferenz durchaus daran zweifeln, dass sich da einer voll und ganz selbst vertraut. Ich wünsche Kaymer so oder so alles Gute – auch ohne Couch.