Blutgrätsche am Mikro

Fußball und MedienAllgegenwärtig scheint König Fußball in Deutschland zu sein – wer will, kann sich rund um die Uhr in Zeitungen, im Fernsehen, im Radio sowie in etlichen Special-Interest- und Fachmedien on- und offline über den Sport und seine Akteure informieren und ganz nach Belieben in unzähligen Foren und in den Sozialen Medien austauschen. Es geht um viel Geld, und mit der Kommerzialisierung im Profibereich findet auch eine umfassende Professionalisierung statt. Das gilt auch für die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit – auf Verbands- und Vereinsebene, aber auch von und mit Trainern und Spielern. Laut „Rheinischer Post“ appelliert Lutz Hangartner, der Präsident des Bundes Deutscher Fußball-Lehrer, an die Vereine, ihrem jeweiligen Trainer „im Haifischbecken Bundesliga“ professionelle PR-Beratung angedeihen zu lassen und ihn „mit einem medialen Berater zu unterstützen, der ihn vor Brennpunkten berät und langfristig schult“. Nach meinen Erfahrungen aus der Arbeit für Vereine der ersten und zweiten Liga ist dies zwar durchaus üblich, aber noch immer keine Selbstverständlichkeit. Auch für Spieler sollten Schulungen und laufende Unterstützung in der Kommunikation von Interviews nach Spielende bis zum Facebook-Dialog mit Anhängern Standard sein.

Mitte der neunziger Jahre war ich zum ersten Mal an einem Medientraining für Profifußballer beteiligt – seither sind die Anforderungen, aber auch die Möglichkeiten noch einmal drastisch gestiegen. Den unbedarften und, wenn man so will, erfrischend „unverschulten“ Spitzensportler gibt es kaum mehr, und die wenigen wirklich „echten“ Momente fallen leider viel zu oft unter die Rubrik „Interview-Panne“ oder “Ausraster“. Es ist gleichermaßen Zeichen einer reifen Spieler- und Tainerpersönlichkeit wie erfolgreicher PR-Betreuung, wenn sich Authentizität und Professionalität die Waage halten und die Gratwanderung zwischen gefährlicher Naivität und belangloser Glattgeschliffenheit gelingt (interessante Beobachtungen dazu finden sich in Jürgen Rollmanns Buch „Beruf Fußballprofi“). Aber da geht es Fußballern letztlich auch nicht anders als anderen Menschen im Scheinwerferlicht, egal ob aus Wirtschaft, Politik, Sport oder Kultur.