Ausgesprochen veränderlich

deutsche spracheEinem berühmten Mark-Twain-Zitat zufolge ist die deutsche Sprache dermaßen schwierig, dass sie „sanft und ehrfurchtsvoll zu den toten Sprachen abgelegt werden sollte”. Nun, durch das Aufeinandertreffen mit anderen Sprachen werde die deutsche Sprache zusehends „einfacher, flexibler, effektiver, besser handhabbar“, heißt es in einem Interview der „Süddeutschen Zeitung“ mit dem Slawisten und Linguisten Uwe Hinrichs. Mit dem Sprachreichtum à la Goethe und Schiller hat das zwar nicht mehr viel gemein, aber Hinrichs’ Aussagen leuchten ein. Unsere Sprache befreie sich „von ihrem schweren hochsprachlichen Erbe“ und stoße „Teile der verkrusteten Grammatik ab“, und weil Sprache in erster Linie der Verständigung diene, sei das auch gar nicht weiter schlimm. Hier umgehe man mit „Von-Konstruktionen“ den Genitiv, da mache man einen Film statt ihn zu drehen, und dort lasse man einen Artikel weg.

Der Leipziger Wissenschaftler beobachtet eine insgesamt größere Toleranz und appelliert an unsere Gelassenheit. Der Wandel des gesprochenen Deutschs ist ohnehin nichts Neues. Gerne erinnere ich an einen Ausspruch der schon 2006 verstorbenen Fernsehlegende Rudi Carrell zur fortschreitenden Anglisierung: „Als ich nach Deutschland kam, sprach ich nur Englisch – aber weil die deutsche Sprache inzwischen so viele englische Wörter hat, spreche ich jetzt fließend Deutsch!“ Die Sprachverfallsdebatte kann in die nächste Runde gehen. Dabei können wir uns jedoch gerne erneut an „unseren“ Johann Wolfgang Goethe erinnern: „Die Gewalt einer Sprache ist nicht, dass sie das Fremde abweist“, so schrieb er, „sondern dass sie es verschlingt“. Mahlzeit!