Anregung von gestern

Der Blogger Jens Männig hat ein interessantes Dokument zu journalistischer Ethik ausgegraben: die Prinzipien der 1917 in München aufgelegten Zeitschrift “Der Ziegelbrenner”. Viele Grundsätze würde man gerne heutigen Journalisten ans Herz legen. So lehnte das Blatt Freiexemplare oder Gratiskarten kategorisch ab, um sich ein unabhängiges Urteil zu bewahren. Ungewöhnlich war auch die Haltung zur Periodik: “Ein bestimmter Erscheinungs-Tag wird weder diesmal noch überhaupt jemals vorher festgesetzt.” Eine neue Ausgabe erscheine immer dann, wenn es “notwendig sein sollte” und “der verwendbare Stoff zur Verfügung steht”, um “das Gute und das Wahre und das, was der Menschheit dienen soll”, zu veröffentlichen.

An Aktualität verloren hat dieser hehre Anspruch kaum. Für mein Metier, die Öffentlichkeitsarbeit, sehen da allerdings ohnehin einige schwarz. “Hat der Journalist erst einmal den Idealismus und die Wahrheitsliebe verloren, bieten sich ihm tolle Karrieren in den Public-Relations”, bemerkte einmal spitz der Schweizer Politologe und Publizist Gerhard Kocher. Gerne erinnere ich da an die “Sieben Selbstverpflichtungen“, die Anfang der Neunziger von der Ethik-Kommission der Deutschen Public-Relations-Gesellschaft erarbeitet wurden und meines Erachtens nach wie vor ein brauchbares ethisches Fundament abgeben.