Altehrwürdige Zielgruppenansprache

Historische Anzeigen aus MünchenLaut Eigenauskunft will das kostenlos erhältliche „Auer/Haidhauser Journal“ in jeder der jährlich vier Ausgaben „über bemerkenswerte Details“ aus und zu den beiden Münchner Stadtteilen berichten und „interessante Geschichten erzählen, die nicht in Vergessenheit geraten sollten“. Das gelingt den Blattmachern durchaus. So erfuhr ich dank dem kleinen, liebevoll gemachten Heft, dass mit dem berühmten „Bugatti Royale Cabriolet“ in den Jahren 1931/32 das quasi offiziell „schönste Auto der Welt“ in meinem Heimatviertel gebaut wurde. Spannend finde ich auch den meist doppelseitigen Nachdruck lokaler Anzeigenblätter bzw. Zeitungsannoncen aus dem 19. oder frühen 20. Jahrhundert. Auch damals war der Kunde König, wie „Empfehlungen zum geneigten Erwerb“ selbstredend „feinster Fabrikate zu sehr billigen Preisen“ an das „verehrungswürdige Publikum“ belegen.

Die Sprache und später dann auch Gestaltung sowie Bebilderung haben sich stark gewandelt, aber die Mechanismen der Werbung vom bekannten Testimonial über die operante und instrumentelle Konditionierung bis zu mehr oder weniger unverblümt angewandten „Sex-sellsMethoden“ blieben weitgehend die gleichen.