Ach, wie gut, dass niemand weiß …

BrüsselCM16ddsGenau eine Woche nach den verheerenden Terroranschlägen in Brüssel war ich für einen Kunden für zwei Tage im politischen Herzen Europas. Dort hielt ich einen Vortrag vor Vertretern und Beratern diverser EU-Behörden, Verbände sowie Interessenvertretungen und nahm an einer sogenannten Chatham-House-Debatte teil, einer besonders in der politischen Kommunikation und Public-Affairs-Arbeit unverzichtbaren Form von Hintergrundgespräch nach dem bewährten Regularium des Royal Institute of International Affairs in London. Dabei gelten für die gesamte Besprechung besondere Regeln der Vertraulichkeit, ähnlich einer Stellungnahme „off the record“: Vertrauliche Informationen können ausgetauscht und in diesem Fall auch weitergegeben und genutzt werden, unbedingt aber unter Nichtnennung der Quelle. Darauf müssen sich auch alle Beteiligten verlassen können, wenn man eine wirklich offene Diskussion ermöglichen will.

Ohne Verfahren wie dieses wären viele wesentliche Anstöße und Informationen nicht oder nur zu spät in den politischen Diskurs eingeflossen. Für Außenstehende mangelt es zunächst zwar an Transparenz, aber letzten Endes ist eine geheime Information oft erheblich besser als keine Information. Wer daran grundsätzlich zweifelt, sollte sich auch die vielen Betrugs-, Vertuschungs- und Bestechungsversuche in Erinnerung rufen, die ohne zwischenzeitliche Vertraulichkeit vermutlich nie ans Licht gekommen wären. Auch bei der Verfolgung von Straftätern und Terroristen sind klandestine Operationen unumgänglich. So lässt sich mit der „WirtschaftsWoche“ durchaus ein nicht uneingeschränktes, aber entschlossenes „Es lebe das Geheimnis!“ ausrufen.