Weichenstellung Horrorbilanz

FreudentrauerErst jetzt wurde ich dank „PR-Magazin“ auf den schon rund zwei Wochen alten Beitrag „Peinliche Presseerklärungen. Falsch, verlogen, zynisch“ im „Handelsblatt“ aufmerksam. In ihm geht es wieder einmal um die Tendenz der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit zur fast schon albernen Verschleierung und Beschönigung. Die Marschroute ist meist schon gleich an der überdehnten Überschrift einer Pressemitteilung zu erkennen – da werden massive Stellenstreichungen als gelungene Schritte zu „weiterem Wachstum“ oder eben historisch schlechte Kennzahlen als „Weichenstellung für Erfolgskurs“ verkauft. Sagen wir besser, sie werden angeboten, denn gekauft im Sinne von übernommen werden sie von den Journalisten und Analysten zum Glück in der Regel nicht.

Auch die Kommunikation rund um das Schlüsselpersonal ähnelt zuweilen eher den Gepflogenheiten im heutigen bezahlten Fußball: wertlose Treueschwüre bis unmittelbar zur Entlassung. Dabei deuten Untersuchungen des Düsseldorfer Kommunikationsprofessors Hans-Christian Röglin darauf hin, dass „Glaubwürdigkeit die Tugend der Zukunft“ ist und wohlerstandene Öffentlichkeitsarbeit im Grunde nur Transparenz und lediglich mittelbar Akzeptanz schaffen kann. Dazu solle sie „nichts verkaufen, sondern etwas klarstellen“. Die Realität meiner Branche sieht allzu oft anders aus.